Maroder Königsthron

Mein Titel und das von mir seit November 2019 geführte Reich begeistern mich ungemein, zumal mir der Thron mit himmlischem Fingerzeig gewiesen wurde. Doch bei genauer Betrachtung wurde meine Freude schmählich getrübt.

Wofür verschwendeten bayrische Könige ihr Vermögen?

Der erbarmungswürdige Zustand dieser Regierungsbank hat mich erschüttert und zu weitreichenden Maßnahmen animiert: Ich werde meinen Thron an anderer, wesentlich exponierterer Stelle beanspruchen. Neuschwanstein, oder die Residenz in München kämen in Frage, wenn ich dafür nicht umziehen und alle Freunde zurücklassen müsste.

Grenzstein Nr. 2

Seit ich den ersten Grenzstein meines Königreichs entdeckt habe, hielt ich unentwegt Ausschau nach dem nächsten. Den fand ich nun gut versteckt unterhalb eines Steilhangs auf dem Weg zur Scherenburg. Meine nächste Aufgabe wird sein einen Quereinstieg zu finden, auf dem ich halbwegs sicheren Fußes zu dieser Markierung meiner Landesgrenze gelange.

Wer weiß, was mich dort erwartet? Die Form entspricht jedenfalls einem alten Gemarkungsstein, dessen Meißelzeichen hoffentlich noch zu entziffern sind.

Wenn ich weiterhin aufmerksam bin, entdecke ich bestimmt noch mehr Steine. Anhand dieser Zielpunkten gestalte ich dann eine Grenzsteinwanderung, die ich zu festgelegten Zeiten anbieten werde. Über den Ticketpreis brauche ich mir keine Gedanken mehr zu machen, der steht längst fest. Entenstreifen!

Zitronenpilz vs. Zitronensorbet

Wenn ich die Wahl habe zwischen Pilz und Sorbet, entscheide ich mich auf jeden Fall für beides. Der Pilz ist mir am Rand eines alten Wirtschaftswegs begegnet, der längst nicht mehr genutzt wird und ich war überrascht, was es da noch alles zu entdecken gab. Den Weg möchte ich gerne wieder laufen, weil er von A wie Ameisenhaufen bis Z wie Zitronenpilz alles bietet, was meine Nase interessiert.

Mit einem Zitronensorbet beschließe ich meine Erkundungstouren am liebsten, denn dieser säuerliche Geschmack von Milchsäurebakterien ist einfach köstlich. Nur der Farbe bin ich noch nicht auf die Spur gekommen. Vielleicht ist das gar kein Zitronengelb?

unstillbare Neugier

Den Tatsachen ins Auge zu sehen ist wichtiger denn je. Dabei gilt es Fakten zu sammeln und sich eine eigene Meinung zu bilden. Deshalb – und nur deshalb – bin ich neugierig wo ich gehe und stehe.

Mir entgeht nichts und niemand, schon gar kein Mooskobold der glaubt, sich vor mir verstecken zu können. Mit ganzer Kraft und allen Pfoten halte ich sogar einen Baumstumpf an Ort und Stelle fest, stecke meine Nase in anderer Leute Angelegenheit und freue mich über alles, was ich dabei herausfinde.

Aus Datenschutzgründen unterwerfe ich diese Informationen meiner Verschwiegenheit, wie schon so vieles zuvor. Ein Zweibeiner würde sowieso nicht verstehen, worum es bei der ganzen Aufregung geht, so wie ich die Zweibeiner in der Regel ebenso wenig verstehe und daher vorzugsweise ignoriere, sofern es sich nicht ums Essen handelt.

Wahlrecht auf dem Prüfstand

Darf sie tatsächlich wählen und sich dabei für Monoproteine gegen Entenstreifen entscheiden? Meine Samstagsgassigängerin hat mich derart nachhaltig enttäuscht, dass ich ein weiteres königliches Gesetz erlassen werde, das allen Vierbeinern erlaubt, ihre Leckerchen für jeden Spaziergang selbst aussuchen zu dürfen.

Verstecke in Jacken- und Manteltaschen, Hosen- und Bauchtaschen sind jederzeit offen und für Hundeschnauzen zugänglich zu halten!

Was ich zuerst nur mit Straßenmalkreide notiert hatte, werde ich nun mit echter Tinte unterzeichnen. Dokumentenecht, so wie es seit vielen hundert Jahren dank der Tintlinge üblich ist.

Ein Schelm wer Böses bei der Überschrift denkt, denn die hat rein gar nichts mit der aktuellen Änderung des bundesdeutschen Wahlrechts zu tun. Ich bin doch absolut unpolitisch – und das sogar meistens, wenn es nicht gerade um mein eigenes Königreich in Bayern geht.

Keine Karriereleiter

Ohne mich gäbe es keine Teppiche in den langen Gängen meiner Residenz, es gäbe keine Futterstellen – und keine neue Napfbeleuchtung. Endlich hängt die neue Lampe und spendet sogar Licht. Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten, denn ohne mich klappt so gut wie gar nichts! Keiner hat bemerkt, dass das Etikett noch daran klebt, das dann in luftiger Höhe entfernt werden musste.

Wenn ich nicht auf ihn aufgepasst hätte, hätte sich der Hausmeister bestimmt seine Finger eingeklemmt, als er zu guter Letzt auch noch mit der Leiter kämpfte. Ein Wunder, dass er seinem Beruf bisher unbeschadet nachgehen konnte, auch wenn man in dem Zusammenhang kaum von einer Karriereleiter sprechen kann.

Demo im Regen

Wer etwas auf sich hält, steht zu seiner Gesinnung! So, oder so ähnlich tönte es heute durch meine Residenz und alle waren bereit, an der Demo teilzunehmen – ich auch. Doch leider habe ich vor der Abfahrt das kurze Streichholz gezogen: ich musste zurückbleiben und Wache halten, während alle anderen im strömenden Regen für Freiheit demonstrierten.

Schade! Auf den Würzburger Mainwiesen waren auch viele Hunde unterwegs gewesen und ich hätte ebenfalls Gleichgesinnte treffen können, wenn ich wegen meiner großen Pfoten nicht den Kürzeren gezogen hätte.

Als Belohnung für das tapfere Ausharren durfte ich die Fährte von Ruth aufnehmen, deren Spuren mich bereits seit Tagen interessiert haben. Ruth ist die Hirschkuh aus dem angrenzenden Wald und sie lässt sich nicht von mir stören, wenn ich die geltenden Abstandsregeln einhalte. Näher als 100 Meter darf ich leider nicht herankommen, sonst zieht sie sich zurück.

Ruth und einige andere Paarhufer haben meinen Spazierweg gekreuzt

Influencer-Lektion Nr. 3

Gesunde Ernährung ist wichtig, aber auch dies darf man keinesfalls übertreiben. Von Paracelsus wissen wir: die Dosis macht das Gift.

Der neuste Trend sind Kräutersnacks für Hunde, mit denen Yvi auf ihr nächstes Obedience-Turnier im November vorbereitet wird. Die Ärmste leidet unter dem schrecklichen Geruch, vom Geschmack ganz zu schweigen. Deshalb zeigt sie sich noch gelehriger als sonst, ist folgsam und brav wie nie zuvor, damit diese Phase vorüber geht, bevor sie den Appetit auf etwas Vernünftiges (Entenstreifen?) ganz verliert.

Nun zu meinem Tipp, den ich allen in vergleichbaren Situationen ans Herz lege. Die Corpus Delicti nehmt Ihr vorsichtig zwischen zwei Zähne und tragt sie drei Schritt weit neben den Napf. Die Position muss so gewählt werden, dass die Leckerbissen offensichtlich nicht gebunkert sind für schlechte Zeiten und garantiert jedem Zweibeiner auffallen.

Nach getaner Arbeit gilt es nur noch in relativer Nähe zum Napf Platz zu nehmen mit einem erschöpften, halb verhungerten Ausdruck und dem sehnsüchtigsten Hundeblick, den Ihr im Repertoire habt. Wenn Ihr alles richtig gemacht habt, braucht Ihr nicht mehr lange zu warten, bis Euer Lieblingsmenü mit einer extra Portion Leckerchen serviert wird!

Das war’s für heute und Ihr dürft sicher sein, dass auch die nächste Lektion wieder genauso hilfreich sein wird getreu meinem Motto „Nicht verzagen – Influencer Buddy fragen“.

Dreieckige Prismen mit zentrischer Bohrung sind optisch nicht geeignet, den Appetit anzuregen.

Montagsmüdigkeit

Nach der geballten Ladung Wochenendstress soll ich schon wieder funktionieren? Ich trete hiermit offiziell in Streik! Täglich vier Wanderungen durch fremde Reviere, die es noch zu erobern gilt und täglich nur knapp 20 Stunden Schlaf – kein Wunder, dass ich rechtschaffen müde bin.

Die Erwartungshaltung meiner Fans macht es keinen Deut besser; sie setzt mich unter zusätzlichen Leistungsdruck. Meine Abenteuer der letzten Zeit seien überaus lehrreich, auch historisch gesehen, um nur aus einer der vielen Zuschriften zu zitieren. Doch diese Bewunderin beließ es bei blumigen Worten, denn Entenstreifen bekäme ich sowieso.

Darf ich als Metapher das Gleichnis vom Esel und der Mohrrübe bemühen? Wenn ich keinen lohnenden Keks vor meiner Nase habe, bleibe ich liegen. Als Lieferadresse für ein Entschuldigungspäckchen voller Entenstreifen reicht König Buddy, denn ich bin längst weltberühmt.

Der Wüstling

Ob ich das vielleicht falsch verstanden habe? Er sieht doch so brav aus. Ihn kann sicher kein Wässerchen trüben! Allerdings ist er im Rohzustand giftig, deshalb wundert es mich nicht, dass sich keine der kleinen oder großen Schnecken darüber hermacht.

Ob bei meinem Tippfehler der Wunsch der Vater des Gedankens war? Ich korrigiere reumütig und mache aus dem Wüstling einen Wulstling und wünsche meinen Fans einen vergnüglichen Sonntag!

Räuber, Napoleon und Preußen

Die Schreie der Rinderherden waren bis in die Täler zu hören, während sie auf dem Höhenweg, der Birkenhainer Straße von Ungarn nach Frankfurt auf den Viehmarkt getrieben wurden. Wenn es nicht das Blut der Rinder war, die im frühen Mittelalter hier vorbeizogen, das hier vergossen wurde, dann sorgten Spessarträuber dafür, wenn sie Handelsreisende überfielen.

Die Soldaten Napoleons nutzten die Birkenhainer Landstraße als Heerweg genauso wie die Preußen, die im Bruderkrieg unter Infanteriegeneral Eduard Vogel von Falckenstein die Bayern besiegten. König Ludwig II. hatte die Militärausgaben während seiner Amtszeit sträflich vernachlässigt; die bayerische Armee war nicht kriegstauglich.

Das alles und noch viel mehr passierte hier sozusagen genau vor meiner Haustüre. Die Geschichte dieser Straße ist spürbar, die Atmosphäre schier unheimlich. Deshalb gehe ich lieber auf meinem eigenen Waldweg spazieren!

Königlich-bayrische Gesetze

Für alle Untertanen weithin sichtbar sollen meine Wünsche auf der schwarzen Asphalttafel zu unseren Füßen respektive Pfoten stehen. Wünsche klingt doch netter als Gebote oder Gesetze, auch wenn es unterm Strich aufs Gleiche rauskommt. Mit königlich blauer Kreide will ich alles notieren, was mir wichtig ist.

Meine Getreuen raten richtig, wenn sie an erster Stelle Entenstreifen vermuten und deren allgegenwärtige Bereitstellung – kostenlos für alle, die meiner Herrschaft unterworfen sind. Über weitere, sinnvolle Gesetze muss ich noch nachdenken. Doch nutze ich diese Gelegenheit, um jenen zu danken, die beim Grenzstein KB sofort erkannten, dass das Kürzel schlicht und ergreifend König Buddy bedeutet.

Königreich Bayern

Meiner neuen Heimat bringe ich noch immer zwiespältige Gefühle entgegen, weil ich zu meiner großen Überraschung völlig unerwartet und vor allem unvorbereitet in einer Monarchie gelandet bin. Der Grenzstein KB beweist, was mir sonst womöglich niemand glauben würde.

Soll ich mich nur als Untertan fühlen, oder soll ich dieser Staatsform meine Führungsqualität zur Verfügung stellen? Vermutlich handelt es sich bei meiner Seniorenresidenz sowieso um eine Außenstelle der Münchner Resi; eine diesbezügliche Recherche steht noch aus.

Jetzt bewahrheitet es sich: Unter den Blinden ist der Einäugige König.

Handyverlust

Der bayrische Wegbereiter hat mit seinem Mäh- und Vertikutierwerk so manches zu Tage gebracht, von weggeworfenen Flaschen über Plastiktüten bis zu diesem Telefon. Meine Neugier war sofort geweckt, schließlich habe ich meine Fähigkeiten als Sherlock Buddy bereits mehrfach unter Beweis gestellt.

Wer damit zuletzt telefoniert hat und wie es dazu kam, dass dieses Handy im Graben neben dem Waldweg landete, konnte ich sofort erschnüffeln. Viel interessanter war aber die Liste der ein- und ausgegangenen Anrufe, vor allem die Nachrichten in der Mailbox. Unvorstellbar, was mir da zu Ohren kam. Aus Datenschutzgründen unterwerfe ich dies selbstverständlich meiner detektivischen Verschwiegenheit.

Bestechungsversuche mit anschließendem Lüften sämtlicher Geheimnisse akzeptiere ich jedoch wie üblich bei ausreichender Menge Entenstreifen.

Punktlandung

Gestern habe ich Führungsqualität bewiesen und meiner Assistentin gezeigt, wie angenehm Spaziergänge gestaltet werden können. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen laufen, schnüffeln und markieren ist die Voraussetzung. Dabei achte ich auf eine locker durchhängende Leine, damit ich das arme Wesen nicht am gestreckten Band hinter mir herziehe.

Voller Stolz blicke ich auf meine Tagesleistung mit exakt 10,00 Kilometern. Die habe ich erreicht, weil ich beim letzten Einkehrschwung in der Einfahrt zum Residenzportal eine elegante Kehrtwende vollführt habe und meinen Spaziergang genau darauf ausgerichtet habe.

Kopfzerbrechen bereitet mir nun aber der Kalorienverbrauch. Wie kann ich den wieder ausgleichen? Ob es dafür genügend Entenstreifen in meinem Vorratsschrank gibt, muss ich schnellstmöglich herausfinden.

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