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Langschläfer

Der beste Schlaf soll angeblich vor Mitternacht sein. Deshalb herrschte gestern pünktlich um 23.30 Uhr allgemeine Dunkelheit und Stille. Doch an Schlaf durfte ich nicht denken, denn es gab noch viel zu tun. Noch waren nicht alle Winkel meiner neuen Welt ausgekundschaftet und Wachdienst stand ebenfalls noch auf meinem Plan. Als ich endlich sicher sein konnte, dass weder wilde Tiere noch ungezogene Hausgeister ihr Unwesen treiben, zog ich mich ins Büro zurück.

Mein Bett im Flur bietet zwar den kompletten Überblick, hat aber auch den Nachteil, dass mich jeder Eindringling ebenfalls sofort entdecken würde. Aus dem Büro heraus, sozusagen aus dem Hinterhalt, bin ich im Vorteil und kann dort sogar auf doppelt Teppich, doppelt Decke und dickem Kissen angenehm ruhen.

Erschreckend war nur der Umstand, dass dem frühen Vogel, der den Wurm fangen soll, wenig Beachtung geschenkt wurde. Es war schon 6.02 Uhr, als meine suchenden Schritte durch das Haus endlich vom Personal gehört wurden. So ein stattlicher Rüde wie ich will seine Morgentoilette nicht im Badezimmer verrichten! Ein Stück Wiese ist mir dafür wesentlich lieber, so wie das meine Gassigängerinnen von mir kennen.

Mein Platz im Büro hat noch einen weiteren, entscheidenden Vorteil: ich sitze direkt am PC, bin also nur einen Knopfdruck von Euch entfernt. Und wenn mir danach ist, melde ich mich, um meine großen und kleinen Erlebnisse zu erzählen.

Also dann bis später!

Emotionaler Ausnahmezustand

Meine herzallerliebsten Gassigängerinnen haben tränenreich Abschied genommen, als ob ich jetzt kein knappes Stündchen entfernt wohnte, sondern mindestens bis zum Kuipergürtel deportiert würde. Ich wollte cool bleiben, mir nichts anmerken lassen, aber als ich dann die Warnung an meinem Zwinger ein letztes Mal las, zitterten mir die Knie doch extrem heftig.

Wir Gangster vom Galgenfeld haben nur die Hände abgebissen, die uns nichts Leckeres brachten.

Eine Stretch-Limousine wäre das mindeste gewesen, was ich zur Abholung erwartet hätte. Weit gefehlt. Zwischen den Beinen der Direktorin des Seniorenheims musste ich Platz nehmen und eine langhaarige Blondine saß am Steuer. Wir sind tatsächlich angekommen, obwohl ich das bei Schneckentempo 100 auf der Autobahn noch lange nicht vermutet hätte.

Idealerweise standen gleich neben der Einfahrt kleine Pfosten, die sich zum Markieren eignen, daneben eine kleine Wiese. Bei Tageslicht mag das hübsch sein, jetzt war mir das egal, denn es galt meine neue Suite zu inspizieren. Eine ganze Stunde brauchte ich, um jeden Quadratzentimeter zu erschnüffeln. Zwischendurch holte ich mir das Hors d’oeuvre aus dem Futternapf in der Küche, und wie durch ein Wunder war da beim fünften Patrouillengang wieder eines.

Vom vielen Marschieren rechtschaffen hungrig, nahm ich am Abendessen teil, testete kurz die neue Matratze und ließ mich zur geistigen Ertüchtigung auf einen Crashkurs am Scanner ein.

Der Tag hätte nicht aufregender sein können!

Ich bin angekommen.

Im neuen Zuhause auf dem Bett meiner Tierheim-Patin!

Henkersmahlzeit

Zum Abschied gab es ein Herbstmenü mit Bio-Huhn. Als ob ich es nicht geahnt hätte, meine guten Zeiten in Hessen sind nun definitiv Geschichte. Nie mehr werde ich so wundervoll, so liebevoll verwöhnt. Bestimmt nicht.

Etwas besseres kann ich mir kaum vorstellen.

Wenn ich nur den Buschtrommeln vertrauen könnte. Es ist schon zu lange her, als dass ich einen Zeitzeugen fragen könnte, ob es tatsächlich wahr ist, was die vielen Pfötchen seit einigen Jahren trommeln. Im schlimmsten Fall ist es wie bei der stillen Post und mich erreichte reines Wunschdenken bayerischer Hofhunde.

Außerdem soll es auch einen cleveren Artgenossen geben, der einen Boxer mit eigenem Youtube-Kanal gesehen hat, der wiederum erzählt hätte, dass in meinem zukünftigen Domizil eine Sterne-Köchin beschäftigt sei. Sterne! Ist das nicht schrecklich? Davon kann man sicher nicht satt werden:

5 Sterne = 5 Kalorien

Von meinem Herbstmenü mit Bio-Huhn werde ich noch lange träumen, wenn mir in Bayern der Magen knurrt. Am besten fange ich gleich damit an, also mit dem Träumen, denn jetzt beginnt meine letzte Nacht hier im Tierheim von Gelnhausen.

Abschied vom Kinzigtal

Heute habe ich mich noch einmal ausgiebig umgesehen, mir genau eingeprägt, wo ich seit dem 24. Januar 2011 gelebt habe. Schließlich war dies meine Heimat für 3.222 Tage, oder genau gesagt 8 Jahre, 9 Monate und 27 Tage.

Wehmütig verlasse ich das Ufer der Kinzig, überzeugt, dass es in meinem neuen Domizil nichts Vergleichbares geben kann, vor allem keine Marienkirche. Wer weiß, was mich erwartet – schließlich wohne ich dann in einem anderen Land.

Wenigstens sind sie dort multilingual und sprechen neben Fränkisch und Bayrisch tatsächlich auch Deutsch. Wie das Essen wohl sein mag? Weißwurstfrühstück klingt wenig verlockend – wie früh muss ich dafür aufstehen? Ich pflege die größte und formalste Mahlzeit des Tages (abgesehen von diesen wundervollen Hundekeksen meiner Gassigängerinnen) am Abend zu mir zu nehmen.

Tapfer und wagemutig blicke ich in die ungewisse Zukunft.

Umzug in eine Seniorenresidenz

Soll ich, oder soll ich nicht?

Mir steht die vielleicht schwerste Entscheidung meines Lebens bevor: der Umzug in eine Seniorenresidenz. Meine Verwirrung überwiegt, weshalb ich kaum beschreiben kann, wie sich das für einen »Gangster vom Galgenfeld« anfühlt. Dabei war ich nicht nur irgend einer, der Nachts Angst und Schrecken verbreitete – ich war acht Jahre lang der Anführer!

Seit acht langen Jahren wohne ich im ersten Zwinger, gleich am Eingang zum Tierheim in Gelnhausen und genieße Freigang, sobald die Dämmerung beginnt. Diese Freiheit soll ich jetzt aufgeben? Und was machen meine lieben Gassigängerinen ohne mich? Ich darf gar nicht daran denken, welche Lücke ich hinterlasse und wie viel Trauer mich begleiten wird.

Noch dreimal in der Dunkelheit patrouillieren und tagsüber jedem der zweibeinigen Besucher sämtliche Leckerbissen aus den Händen nehmen, dann wird sich alles, aber auch wirklich alles in meinem Leben ändern. Wer mich als treuer Fan begleiten will, der besucht mich hier im Blog.

Euer Buddy

Gestatten: Buddy!

Ich bin ein Pastor Mallorquin – und ich bin weder süß, noch niedlich oder knuffig, denn ich bin einfach richtig!

Buddy – das bin ich

In mir steckt viel mehr, als ich auf den ersten Blick erkennen lasse, ich bin Begleit-, Schutz- und Hütehund in Personalunion, eben ein typischer Ca de Bestiar.

Als großer, robuster, kräftiger und mutiger Wach- und Schutzhund, bin ich außerordentlich territorial eingestellt und zum Arbeiten geboren. Geistig und körperlich bin ich fit, immer hart im Nehmen, meinen Menschen stets treu ergeben. Ich suche keine Aggressivität, kann sie aber durchaus einsetzen, wenn ich es für nötig halte.

Einer meiner Vorfahren war ein chinesischer Chow Chow, was meine majestätische Erscheinung noch verstärkt. Gegen meine Eigenwilligkeit gibt es demnach nichts zu sagen, denn dafür kann ich nichts – sie liegt mir in den Genen!

Wer einmal mit mir Freundschaft geschlossen und sein Herz an mich verloren hat, ist mir für immer verfallen!

Wie mein Leben verlief, bevor ich annähernd 10 Jahre im Tierheim verbrachte, ist nachzulesen in meiner Autobiographie, die ich ebenfalls hier im Blog veröffentlicht habe.