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Monday Night Fever

Wenn es jedes Mal nach dem Wiegen zwei Spritzen gäbe, würde sich garantiert niemand mehr auf eine Waage trauen. Nur ich bin tapfer und lasse ein solches Procedere relativ unbeteiligt über mich ergehen. Meine Begleiterin hingegen schien tatsächlich Angst zu haben vor den langen spitzen Nadeln, denn sie hat sich zitternd an mir festgehalten. Und das alles nur weil meine Körpertemperatur 39,2 Grad betrug. Fieber?

Dem Tierarzt hat mein nächtlicher Besuch gefallen und meiner Freundin Yvi auch. Von ihr habe ich anschließend Kamillentee bekommen, weil ich vorerst kein Wasser trinken soll. Morgen bin ich wieder mit dem Tierarzt verabredet, aber erst am späten Vormittag, damit ich morgens ausschlafen kann.

Geburtstagswunschhund

Genau vor einem Jahr war der 09. November ein Samstag. Ich saß, wie hätte es auch anders sein können, in meinem Zwinger im Tierheim von Gelnhausen. Ihr erinnert Euch vielleicht: es war der erste Zwinger, gleich links neben dem Eingang.

Eine liebe Zweibeinerin hatte schon vor längerem ein Schild an meiner Zwingertüre angebracht. „Buddy-Haus“. Deshalb heißt mein Blog auch so, denn ich liebe die Erinnerung an die gute Zeit, die ich dort verbracht habe. Es waren immerhin fast neun schöne Jahre, zu denen eine Frau ihren ganz besonderen Beitrag leistete.

Diese Frau hat heute Geburtstag und ihr verdanke ich einen Wunsch, den sie für mich hat Wirklichkeit werden lassen. Am frühen Morgen des 09.11.19 wünschte sie sich nichts sehnlicher zum Geburtstag, als dass ich endlich zu lieben Menschen käme bei denen ich (Spanien eingerechnet), nach annähernd 10 Jahren Tierheim-Aufenthalt, meinen Lebensabend verbringen könnte.

Als sie trotz Geburtstag zur Gassirunde am Nachmittag ins Tierheim kam, stand vor meinem Zwinger eine Fremde, die nach mir fragte. Unglaublich, aber der Wunsch ist in Erfüllung gegangen!

Ich bin der glücklichste Geburtstagswunschhund der Welt und wünsche meinerseits nicht nur alles Liebe und Gute zum Geburtstag, sondern dass sich alle Geburtstagswünsche auch in Zukunft erfüllen mögen!

Geheimnis ewiger Jugend

Es wird Zeit, Bilanz zu ziehen. Ein Jahresrückblick der ganz besonderen Art steht kurz bevor und ich kann bis heute kaum glauben, dass es so weit kam. Nehmen wir das WIE als eines der 5 W aus dem Lehrbuch von Journalisten, dann lüfte ich heute das Geheimnis meiner ewigen Jugend und wie es zu meiner sagenhaften Karriere mit stolzen 14 Jahren kam.

Herzensbrecher und Liebling aller Hündinnen, guter Freund der Rüden und treu ergebener Begleiter meiner Menschen, der täglich jünger zu werden scheint und voller Elan durchs Leben geht, das bin ich Dank meines legalen Drogenkonsums. Zum Glück ist das Fach in meinem persönlichen Regal groß genug und bietet noch mehr Platz für Aphrodisiakum, Anabolika und sonstiges Doping. Entenstreifen nicht zu vergessen!

Geruchsträger hübsch dekoriert

Meiner guten Nase würde ich durchaus zutrauen, der Duftspur des Schuhbesitzers heute noch zu folgen. Nicht dass ich Mantrailer werden wollte, aber den Beweis, wie gut meine Riechsinneszellen arbeiten, den würde ich zu gerne erbringen.

Mit einer perfekt auf meine Bedürfnisse abgestimmten Assistentin klappt das auf jeden Fall. Sie hat mir schon geflüstert, dass es sich entweder um Vater oder Sohn des Gasthauses März handelt; aber das muss ja niemand wissen.

Wie gerne würde ich meine Fähigkeiten unter Beweis stellen und den Schuhbesitzer freudig begrüßen, doch das Gasthaus ist geschlossen. Wir halten alle Daumen und Pfötchen, dass dies kein Dauerzustand wird und die geplante Gesetzesänderung keine Zustimmung findet. Hoffentlich!

Honeymoon Aussies

Babysitter? Ich doch nicht, oder vielleicht doch? Die von mir so sehr geschätzte Ruhe würde der Vergangenheit angehören, mein Dasein als Alleinherrscher in der Seniorenresidenz ebenfalls, wenn hier plötzlich eine Welpen-Kita eröffnet würde.

Andererseits sind diese Australian Shepherds so liebenswert mit ihrem ausgeglichenen Wesen, dass mir wünschen würde, einer zöge bei Yvi ein. Da war so ein ganz vorwitziger mit Namen General Flynn, der würde zu ihr passen!

Die Teufelsbrücke

Da steh‘ ich nun, ich armer Tor
und bin so weit, als wie zuvor.

Die Schlucht zu tief, das Tal zu weit
dabei ist längst schon Essenszeit.

Mein Magen knurrt, die Brücke fehlt,
oh wie mich nun der Hunger quält.

Frei nach Goethe, der mitten im tiefsten Wald am Fuße der Treppe ebenfalls verzweifelt wäre, keine Brücke vorzufinden.

Weshalb diese nicht vorhandene Brücke bei den Einheimischen den Namen Teufelsbrücke trägt, war nicht schwer herauszufinden. Egal wer gefragt wird antwortet weiß der Teufel, wo die Brücke geblieben ist.

Insider wissen, dass der Wanderweg von der gegenüberliegenden Seite missverständlich ausgeschildert ist und und nur bis an den Fuß der Treppe führt.

Das Leberwurstdrama

Besuch? Juchhu, Besuch! Seit es mich ins ferne Bayern verschlagen hat, konnte ich Besuch, also meinen ganz persönlichen, an meinen vier Pfoten einzeln abzählen. Jetzt war es sogar einmal so weit, jemanden aus dem Kreis meiner virtuellen Fans persönlich zu begrüßen.

Beinahe glaubte ich, meiner Nase nicht zu trauen, als eine große Leberwurst auf mich zu schwebte: Bauernleberwurst, grob.

Als Zusammenfassung aus der anschließenden Diskussion zwischen meiner resoluten Residenzchefin und der überaus (hunde-)freundlichen Besucherin sei nur erwähnt, dass die Leberwurst klein beigeben und ihren Rückzug antreten musste. Aber das war nicht schlimm, denn es folgten – wie konnte es auch anders sein – Entenstreifen satt.

Derart gestärkt war die anschließende Wanderung von 10 Kilometern zum Kloster der Franziskaner-Minoriten in Schönau eine Kleinigkeit. Dort habe ich Bekanntschaft geschlossen mit Jason, der mir auf Anhieb sympathisch war und ich hoffe, ihn bei Gelegenheit wieder einmal zu treffen. Wir hatten uns viel zu erzählen!

Aktiver Umweltaktivist

Meine Wahlheimat Bayern soll sauber bleiben, und der Wald ist kein Platz um Müll zu entsorgen. Zum Glück habe ich eine Assistentin, die mir gehorcht und allen Anweisungen Folge leistet. Ich spüre auf, was nicht in den Wald gehört – sie sammelt es ein und entsorgt es korrekt.

Die heutige Ausbeute bestand aus zwei Glasflaschen, einer Plastkflasche und einer Chipstüte und ich bleibe wachsam!

Der Letzte seiner Art

Um den Schrecken des gestrigen Tages zu verarbeiten, brauchte ich eine ganze Nacht. Geblieben ist wehmütige Erinnerung, denn die Zivilisation kommt unweigerlich näher. Jetzt gehören die Bäume auf der Wiese, denen ich morgens, mittags und abends meine ersten Markierungen anvertraut habe, der Vergangenheit an. Das ganze Areal, auf dem ich meine Patrouillen beginne, steht vor dem Aus – macht Platz für ein Haus.

Ob ich auf Rasen im Vorgarten hoffen darf, vielleicht auf den einen oder anderen Baum? Meine Dienste biete ich schon heute voller Vorfreude an und kann mir vorstellen, dass ich dafür sogar belohnt werde. Mit Entenstreifen?

Belohnungsessen

Wer viel und hart arbeitet, braucht vernünftiges Essen als Energielieferant. Wer jedoch – so wie ich – rund um die Uhr im Dauereinsatz schnüffelt, markiert, isst und schläft, der darf sich sogar regelmäßig belohnen. Unsere Residenzköchin weiß wie wichtig das ist, deshalb gehört sie zu meinen Lieblingsmenschen.

Also wenn es nach mir ginge, sollten Belohnungen zur täglichen Routine werden!

Aktuell waren das 200 g Haferflocken, 1/4 Liter Milch, etwas Salz, 3 Eier, Margarine zum Backen. Dabei habe ich das Procedere genau beobachtet und weiß, dass die Haferflocken mit warmer Milch übergossen wurden und meine Geduld dann auf eine etwa halbstündige Probe gestellt wurde. Die verquirlten Eier wurden damit vermischt und schon bruzzelte die Masse in der Pfanne. Den I-Punkt bildete eine geriebene Möhre.

Der „Weishamer Hunde-Schmarrn“ soll für zwei kräftige Hunde reichen, aber zu der kleinen Portion kann ich Yvi unmöglich einladen; das bisschen reicht gerade mal für mich alleine.

„Weishamer Hunde-Schmarrn“ aus einem Kochbuch von Ulrich Klever.

Bayrischer Sumpf

Der Sumpf nimmt überhand. Von einem zum nächsten Tag sehe ich mich mit größeren Hürden und weitaus undurchsichtigeren Tiefen konfrontiert, deren Auswirkungen nicht abzusehen sind. Wenn es so weitergeht, wird mein Bewegungsradius auf ein Minimum eingeschränkt. Ich protestiere!

Wenn ich mir den bayrischen Sumpf so betrachte, wundert es mich nicht, dass der alles beherrschende Keiler den Spitznamen Amigo trägt.

Ob es wohl hälfe, den Sumpf trocken zu legen, vielleicht sogar überall? Am besten, ich fange gleich damit an!

Reportagenhelfer unterwegs

Den Begriff »Tausendsassa« auf mich anzuwenden, wäre maßlos untertrieben. Bei Millionensassa schwingt ein Hauch von Arroganz mit, deshalb bescheide ich mich und nehme mit der Bezeichnung Multitalent vorlieb, während ich dafür sorge dass die redaktionelle Anfrage zufriedenstellend erledigt wird.

Über einen Friedhof zu schreiben, kann durchaus interessant sein, auch wenn offizielle Fotos ohne mich auskommen müssen. Für eine Auslandsreportage – natürlich nur unter meinem Schutz! – schlage ich Marokko vor. Dort übernachten Menschen, wenn sie in einem Ort fremd sind und nicht wissen, wohin sie sich wenden können, auf dem Friedhof.

Konspiratives Treffen

Zu nächtlicher Stunde, damit meine ich nach Einbruch der Dunkelheit, traf sich alles was Rang, Namen und sogar Stacheln hat. Weil dies niemand beobachten durfte, nutzten alle den Hintereingang, um ungesehen in meine Residenz zu gelangen. Sogar Ingmar, der größte aller Igel des Saaletals hat es sich nicht nehmen lassen, zur Versammlung zu kommen.

Natürlich war eine Parole vereinbart worden, ohne die es keinen Zutritt gab. Über die vertraulichen Gespräche unserer Sitzung wird kein Sterbenswörtchen nach außen dringen, denn noch ist die Zeit dafür nicht gekommen. Aber eines kann ich verraten: es bleibt spannend!

Eintageskur in Bad Orb

Meine erste Kur war ein voller Erfolg! Das beeindruckende Gradierwerk mit seinem Meeresklima war zwar recht angenehm, wurde aber bei weitem übertroffen durch die Millionen von Düften, die es überall im ganzen Ort zu schnüffeln gab.

Das war ein Ausflug nach meinem Geschmack, obwohl ich eine kleine Enttäuschung hinnehmen musste. Liebend gerne hätte ich im Spielzeugladen eine ferngesteuerte Katze mitgenommen und mir einen Spaß mit meinen vierbeinigen Freunden erlaubt. Ausverkauft!

Influencer-Lektion Nr. 4

Viele von uns werden sträflich missbraucht und als sogenannte Wachhunde gehalten, müssen Aufgaben erfüllen, die sie von ihrer wahren Profession, dem Schnüffeln, Markieren, Essen und Schlafen abhalten. Wie wir diese unliebsame Pflicht zu unserem Vorteil umkehren, erkläre ich Euch heute.

Sobald sich jemand nähert, beginnen wir zu knurren und steigern dies zu immer lauter werdendem Bellen. Dies ist wichtig, um die größtmögliche Aufmerksamkeit auf uns zu lenken.

Wenn es wirklich ernst wird – wenn eine fremde Person tatsächlich Einlass begehrt, stellen wir uns quer und verlangen Wegezoll; vorzugsweise Entenstreifen. Sollte dies zufriedenstellend ausgefallen sein, wird die Person auf Streicheltauglichkeit getestet (Fingerfertigkeit, Ausdauer etc.) und frühestens jetzt geben wir den Weg frei. Fortgeschrittene ergänzen dies mit einem Stupser, den jede der Testpersonen als Aufforderung für eine zweite Zoll-Portion werten wird

Merkt Euch aber, dass alle Personen so lange wie möglich als fremd gelten sollten, am besten dauerhaft, sonst gibt es irgendwann keinen Wegzoll mehr!

Das war’s für heute und Ihr dürft sicher sein, dass auch die nächste Lektion wieder genauso hilfreich sein wird getreu meinem Motto „Nicht verzagen – Influencer Buddy fragen“.