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Imagepflege eines Casanovas

Aus der Partylaune zurück in den Alltag fällt mir nur dann leicht, wenn mir eine lohnenswerte Aufgabe bevorsteht. Da ich für ein paar Tage indisponiert war, musste ich schleunigst wieder dafür sorgen, dass man (womit hauptsächlich die holde Weiblichkeit gemeint ist) wieder von mir spricht.

Da kam mir Kira wie gerufen. Die Russkiy-Toy-Dame hat ein derart freundliches Wesen, dass ich sie sofort in mein Herz geschlossen habe. Noch dazu begegnete sie mir trotz ihrer Winzigkeit auf Augenhöhe, was das Kennenlernen wesentlich erleichterte.

Sie wird einen festen Platz in meinem Harem bekommen, aber jetzt muss ich eilig zur Krallenpflege. Beim Kennenlernen sind die ersten 45 Sekunden entscheidend und ein gepflegtes Äußeres trägt zur Sympathiebekundung ganz erheblich bei!

Mein erster Jahrestag

Unter einem Hundekuchen hatte ich mir wahrlich etwas größeres vorgestellt. Einen richtigen Kuchen hatte ich erwartet, auch wenn es nur eine Kerze zum Auspusten geben würde. Doch diesem Kringel mit Loch, oder wie hätte ich ihn sonst bezeichnen sollen, dem schenkte ich keine weitere Aufmerksamkeit.

Vielleicht bekomme ich noch Geschenke?

Die ersten Gäste treffen zu meiner Jubiläumsfeier frühestens in einer Stunde ein. Bis dahin kann ich noch viele Päckchen öffnen, am liebsten 365 Stück. Eines für jeden Tag, an dem ich den Menschen in meiner Seniorenresidenz Freude bereitet habe!

Dabei begann alles mit dem schwärzesten Tag meines Hundelebens, als ich eingeklemmt zwischen zwei Beine vor dem Beifahrersitz eines Kleinwagens nach Bayern deportiert wurde. Heute kann ich getrost zugeben, dass ich damals mehr Angst hatte als Vaterlandsliebe. Aber alles wurde gut, so wie es seither in meinem Blog zu lesen ist.

Ich wäre auch mit einem Kilo Entenstreifen zufrieden gewesen – ohne Kerze …

Einladung an alle

Still und zurückgezogen im kleinsten Kreis feiern? Das kommt überhaupt nicht in Frage! Es soll ein rauschendes Fest werden, wenn ich morgen meinen ersten Jahrestag in der Seniorenresidenz feiern darf.

Alle Freunde sind herzlich eingeladen, mit mir zusammen auf ein langes gesundes Leben anzustoßen und dabei Fencheltee zu schlabbern; für Abstinenzler steht auch Wasser bereit.

Nach reiflicher Überlegung kamen ich mit der Köchin überein, ausschließlich Fingerfood anzubieten. Zweibeinige Gäste tun sich leicht, wenn alle Häppchen, die sie mir und meinen vierbeinigen Freunden füttern können, zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger passen.

Den Hausmeister wollen wir heute noch mit seinem Kombi zum Einkaufen schicken, damit er die Vorratskammer ausreichend mit Lammlunge, Bullenpenis, Kaninchenohren und Lachs auffüllt. Liebe Freundinnen und Freunde morgen gibt es noch viel mehr und natürlich Entenstreifen für alle. Ich erwarte Euch!

Die Klebstoffreste vom Pflaster sind hoffentlich bis morgen von meinem Bein verschwunden. Für meine Verehrerinnen muss ich doch hübsch sein!

3+3+3 = Feuerhund

Es war eine freundliche Schätzung, ich sei 2007 geboren. Die meisten sind ja auch froh, wenn ihr jugendliches Aussehen zu einem solchen Irrtum führt. Aber ich bin ein winziges bisschen älter und glaube ganz fest, dass ich bereits 2006 das Licht der Welt erblickt habe und zwar im Sternzeichen des chinesischen Feuerhundes!

Als Feuerhund habe ich bestimmte Charaktereigenschaften, die mich zum geborenen Führer machen der für Gerechtigkeit eintritt und von seinen Anhängern geschätzt wird. Mein unwiderstehliches Charisma bestätigt dies immer wieder aufs Neue.

Nehmen wir heute meinen 333. Beitrag im Blog zum Anlass einer kleinen Zahlenspielerei, kommen wir zu einem ebenso erstaunlichen Ergebnis. Die Zahl 9 (also 3+3+3) wird auf Putonghua, eine der chinesischen Amtssprachen, als Jiu ausgesprochen. Dies erinnert an das Wort „für immer“ und wird vor allem im Zusammenhang mit Freundschaft gebraucht.

Morgenspaziergang auf der Kaiser-Nero-Allee

17. November 2019

Nun ist genau ein Jahr vergangen, dass ich diesen Blog angelegt habe, rechtzeitig vor meinem Umzug aus dem Gelnhauser Tierheim in die weit entfernte Seniorenresidenz nach Bayern. Seit meiner Auswanderung aus Mallorca nach Hessen war dies am 20. November 2019 die zweitschlimmste Reise meines Lebens.

Zwei Beiträge habe ich an diesem denkwürdigen Tag gepostet, habe mich artig vorgestellt mit „Gestatten: Buddy!“ und meine Fans gebeten, mich überall hin zu begleiten, egal was mich nach der Übersiedlung im neuen Lebensabschnitt erwartet und welche Abenteuer ich zu bestehen habe.

Ihr habt mit mir gebangt, mit mir gehofft und Euch so sehr mit mir gefreut über die schicksalhafte Wendung, die mein Leben nach annähernd 10 Jahren Tierheim-Aufenthalt nahm. So wie Ihr mich nicht vergessen habt, habe ich Euch ebenfalls nicht vergessen. Danke für Eure Treue, liebe Tierpfleger und liebe Gassigängerinnen!

Roomservice

Es wurde aber auch langsam Zeit: Frühstück am Bett ist das mindeste, was ich in einer renommierten Seniorenresidenz erwarten darf. Dabei erkenne ich jedoch den Trick, mit dem ich zum Aufstehen animiert werden soll. Die Mohrrübe – in dem Fall das Futtertellerchen mit dem aktuellen Lieblingsmenü – wird mir zwar vor die Nase, aber außerhalb der Reichweite von Zunge und Zähnen gestellt.

Das mag ja bei einem Esel funktionieren, aber ich überlege mir gründlich ob ich tatsächlich aufstehen soll, bevor ich mich umdrehe und weiter schlafe. Andererseits wären meine Patrouillen in der näheren Umgebung wichtig, damit es nicht zu Sodom und Gomorrha kommt.

Die kleine Lucy, die sich kaum ihrer Weiblichkeit bewusst sein kann, ist gestern ausgebüchst und bei ihrem Favoriten Leo ums Haus geschlichen. Ich bin empört! Zu meiner Zeit gab es das nicht, da musste der Rüde noch um das Weibchen werben. Diese Art der Emanzipation ist schockierend, und wer soll den Nachwuchs zur Räson bringen wenn nicht ich?

Pflichtbewusst wie ich nun einmal bin, drehte ich meine morgendliche Runde, wurde aber vom anschließenden Frühstücksbuffet maßlos enttäuscht. Zum Fencheltee gab es nicht, also rein gar nichts, woran ich mich hätte erfreuen können, nicht einmal Entenstreifen.

Novemberblues

Warum soll ich aufstehen? Ich bleibe lieber liegen und schone mich. Vielleicht gelingt es mir, noch einmal Kraft zu schöpfen und weiterhin am Leben teilzunehmen. Lust dazu hätte ich schon, wenn mich meine alten Knochen noch ein bisschen länger tragen wollen.

In der Residenz war es bisher ganz nett, ich hätte es schlechter treffen können. Aber alles ist endlich. Mein Leben auch?

Sonntagsmenü

Meine Köchin meint es zwar gut mit mir, aber was artgerechtes Kochen betrifft, da muss sie noch viel lernen. Nur weil Poppy, die Greyhound Hündin des Kochbuchautors K.T. Adams, auf Porridge steht und Haferschleim magenfreundlich sein soll, heißt das noch lange nicht, dass mir das schmeckt.

Meine Freundin Yvi ist gleicher Meinung und ließ mir eine Portion von ihrem Sonntagsmenü einpacken. Das war ausgesprochen lecker, obwohl es sich dabei ebenfalls um eine spezielle Diät für ihre Bauchspeicheldrüse handelt. Es geht eben auch anders – und besser. Meine Köchin muss noch viel lernen!

Rebellische Teilrasur

Mit einer großen Portion Mut habe ich mir einen Undercut schneiden lassen. Der Grund dafür liegt auf der Hand, respektive auf der Pfote: meine Verehrerinnen blieben während meines Klinikaufenthaltes schutzlos anderen Rüden ausgeliefert und ich musste fürchten, dass sich mein Harem anderweitig orientiert haben könnte.

Zurück im Revier mit neuer Attraktivität an prädestinierter Stelle werden mir die Herzen aller Damen wie gewohnt zufliegen, denn welcher Rüde kann es jetzt noch mit mir aufnehmen? Nach eingehender Beratung mit meiner Friseurin ziehe ich sogar einen Irokesenschnitt in Erwägung. Als 14-Jähriger an der Grenze zum 15. Lebensjahr könnte ich mir Punk durchaus als geeignete Jugendkultur für mich vorstellen.

Der Undercut als Szeneschnitt passt perfekt zu mir.

Klinik Ade

Wilma hat ausnahmsweise die Klappe, Pardon, den Schnabel gehalten, als ich hoch erhobenen Hauptes an ihr vorbei zum Ausgang lief. So schnell hätten weder sie noch Gisela mit meiner Entlassung gerechnet. Nur mir selbst war klar, dass das bisschen Blut spucken keine große Sache gewesen sein konnte.

Wilma thront unübersehbar am Empfang der Klinik.

Gestern Abend habe ich damit einfach wieder aufgehört. Nach vier Tagen sollte damit endlich Schluss sein, und die ganzen Schläuche mitsamt ihrer Zugänge habe ich auch gleich entfernt. Unter kritischer und skeptischer Beobachtung schloss sich das gesamte Team von Dr. Grappendorf meiner Meinung an. Man telefonierte nach dem Residenz-Taxi und ließ mich abholen!

Mein Taxi – zuverlässig und bequem.

Auf dem Heimweg machten wir noch einen Abstecher auf die Hammelburger Saalewiesen, die mir auch ohne vorherigen Klinikbesuch gefallen würden. Aber auf eine Art bin ich froh, das alles hinter mich gebracht zu haben, denn nun habe ich meinen Gesundheitszustand schwarz auf weiß und schmiede unendlich viele Zukunftspläne ohne Schmerzmittel und bald sogar wieder mit Entenstreifen.

Mein Geheimnis ewiger Jugend wurde übrigens in der Klinik gelobt. Die ganzen Zaubermittelchen darf ich weiterhin schlucken und mich meines hoffentlich noch recht langen Lebens freuen!

Übernachtung ohne Pyjama

Meine Geduld wird auf eine längere Probe gestellt. Gisela, die vierbeinige Assistentin des Tierarztes, ist zwar freundlich, doch Wilma, die Papageiendame am Empfang nervt ein bisschen. Als Langzeitinsasse im Tierheim habe ich Gitterstäbe in vielen Variationen kennengelernt, dennoch machte mir die Trennung von meiner Residenz mit all meinen Menschen und den Freunden aus der Nachbarschaft zu schaffen.

Morgen wartet eine Magenspiegelung auf mich, noch dazu in Kombination mit Zahnpflege. Weil ich gänzlich unvorbereitet kein Köfferchen gepackt hatte, kam extra eine Botin aus der Residenz. Vor lauter Aufregung hat sie meinen Schlafanzug vergessen, aber wenigstens meine Schildkröte hat sie eingepackt. Und sie durfte drei Stunden bleiben, mich kraulen und streicheln. So gefällt es mir!

Einzelhaft

Einschneidende Grundrechtsveränderungen sollten nicht für Hunde gelten. Schlimm genug, wenn Menschen eingesperrt werden und sich dauerhaft in Quarantäne begeben müssen. Im Unterschied zu den Zweibeinern, die solche Maßnahmen scheinbar nicht hinterfragen, ist es bei mir tatsächlich notwendig. Jahrelanger Gebrauch von Schmerzmitteln hat meinen Magen geschädigt.

Nachdem die heutige Ultraschall-Untersuchung ausschließlich gesunde Organe gezeigt hat, gab es Kontrastmittel zur Vorbereitung einer genaueren Magenuntersuchung. Inzwischen hänge ich am Tropf und harre geduldig der Dinge, die Dr. Grappendorf noch mit mir vorhat.

Novelle 28a zu §§ 28 ff., 32 IfSG oder doch §88 Abs.5 StVollzG?

Drogenscreening

Tapfer zu sein ist eine meiner leichtesten Übungen, ganz besonders wenn ich weiß, dass ich alle Tests als strahlender Sieger bestehen werde. Ich will mich nicht beklagen und damit unterstellen, dass der Aufwand wegen des bisschen ausgespuckten Blutes übertrieben gewesen sein könnte. Man weiß ja nie.

Also hieß das Reiseziel Dr. Grappendorf, Tierklinik Bad Kissingen, wo man mich mit großer Freundlichkeit und ausgesprochen höflich begrüßte. Wenn jemand so nett ist, nehme ich vorbehaltlos an einer Blutspende teil und begleite engelsgleiche Wesen in dunkle Röntgenkammern (mein Schutzhundinstinkt!).

Das Ergebnis war mir persönlich von Anfang an klar: ich bin in Topform, hervorragende Werte bestätigten dies! Ursache für meine Unpässlichkeit sind wohl die Schmerzmittel wegen der Arthrose, die meinen Magen über die Jahre hinweg ein bisschen angegriffen haben. Deshalb bekomme ich ab sofort andere Drogen und eine vorübergehende Diät, aber hoffentlich nicht wieder die politische Diät.

Reiskornzählung

Es kam mir fast ein bisschen kleinlich vor, denn es gibt wichtigere Dinge auf dieser Welt, als die genaue Anzahl von Reiskörnern. Aber die sollten wohl insgesamt auf eine halbe Hand passen und das nimmt die Residenzköchin definitiv sehr genau.

Großzügig auf einem ganzen Teller verteilt: mehr Schein als Sein bei dieser Miniportion, aber es stimmt. So ein winziges Häppchen tut einem gestressten Magen gut, ohne dass er kurz darauf wieder rebellieren muss.

Und morgen scheint die Sonne, denn ich habe alles aufgegessen!

Abgekühlt

Wie nennt man ein Fieberthermometer, das kein Fieber misst? Bevor ich jetzt aus lauter Freude wegen des guten Ergebnisses mit Wortklaubereien beginne, kümmere ich mich lieber um die verordnete Diät und schaue der Köchin auf die Finger.

Mein Tierarzt weiß, was einem Rüden schmeckt und genau so lautet seine Empfehlung für Suppenhuhn mit Reis und Hühnerschenkel mit Kartoffelbrei. Ich sollte ihn vielleicht öfter besuchen, um noch mehr Abwechslung in den täglichen Speiseplan zu bringen.

Bald brauche ich keinen Kamillentee mehr zu trinken und kann vielleicht auf echt bayrischen Hopfentee umsteigen!