Überall treibt sich heutzutage Gesindel herum, sogar auf dem Gelände der Residenz unter dem Wacholder. Noch bin ich nicht sicher, ob es nur der Steinmarder war, der hier sein Unwesen getrieben hat, oder ob es sich wieder um ein Exemplar der Vorgartensaurier handelt.
Genaue Kontrolle ist unbedingt notwendig – wer weiß, wer sich hier vielleicht verbirgt!
Tatsächlich wurden im Sommer – leider noch vor meiner Zeit – Knochen an eben dieser Stelle gefunden, die ich mit Kennerblick als Miniatursaurier einstufen würde. Um so wichtiger ist, dass ich alles unter heldenhaftem Einsatz meines Lebens noch genauer kontrolliere!
Saurus miniaturus domesticus – auch „urzeitlicher Vorgartensaurier“ genannt.
Ob weitere Grabungen nach geologisch-paläontologisch bedeutungsvollen Funden unternommen werden, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen. Auf jeden Fall will ich dann unbedingt dabei sein und freue mich schon auf das kommende Frühjahr!
Komisch – so könnte der heutige Tag am ehesten beschrieben werden. Es fing schon morgens damit an, dass niemand unterwegs war. Abgesehen von drei Autos mit winkenden Insassen, flog nur eine neurotische Amsel an meiner Nase vorbei. Auf den letzten Metern begann es zu regnen und jetzt war endgültig klar, dass alle meine Freunde schon längst den gleichen Entschluss gefasst haben mussten, den auch ich nun als einzig richtigen erkannte.
Dabei achte ich natürlich auf höchste Einstellung am Thermostat.
Mit dem Heizkörper zu verschmelzen ist unbeschreiblich schön! Dabei ist jedoch höchste Aufmerksamkeit erforderlich, denn zwischen Wirbelsäule und Metall darf nicht mal ein Blatt Papier passen, nur dann funktioniert die Rückenbestrahlung perfekt. Aus dieser Position stehe ich allerhöchstens im Notfall auf; kleine Snacks für zwischendurch serviert mir der Roomservice selbstverständlich im liegen.
Zum Glück traf ich heute Mittag Otto und Leila als ich in den Wald gehen wollte. Im Bereich des großen Rundwegs haben sie eine Rotte Wildschweine gesehen und warnten mich davor. So ist das halt mit diesen Waldbewohnern, bevor die nicht als getrocknete Snack-Streifen im Napf liegen, ist nicht mit ihnen zu spaßen. Deshalb führte ich meine Gassigängerin lieber in die Stadt; schließlich fühle ich mich für sie verantwortlich!
Kaya
Zum Glück – es passt schon wieder – kam es wegen der Wildschweine zu dieser Kursänderung. So lernte ich endlich auch die reizvolle Kaya kennen, unseren kapriziösen Star der Scherenburgfestspiele. Zusammen mit Balou gehöre ich jetzt nicht nur zu ihren Fans, sondern auch zum männlichen Part des Ensembles und bin gespannt, ob ich vielleicht sogar eine Rolle bekomme. Als Statist? Jetzt bin ich ein kleines bisschen aufgeregt, oder ist das etwa schon Lampenfieber?
Meine Bedenken wegen möglicher glatter Fliesen in dieser Seniorenresidenz kann ich nun gänzlich ad acta legen und noch einen weiteren Stern für die Bewertung meiner Nobelherberge vergeben.
Teppiche fliegen nicht nur in orientalischen Märchen, sie fliegen auch hier genau an die Stellen, wo ich sie brauche. Oder habe ich jetzt etwas verwechselt und es heißt nicht fliegen, sondern liegen? Egal, Hauptsache rutschfest!
Mein neuer Teppich für den ich mich vor aller Welt bei Gisela bedanke
Zartes Grün erinnert an den Frühling und bringt gute Laune in die Tage, deren Himmelsfarben nur von grau bis anthrazit reichen, während die Nächte heller leuchten als je zuvor.
Wenn es nicht so schrecklich viel zu entdecken gäbe, könnte ich viel mehr tippen. Wo ich landen würde, wenn ich weiter durch den Torbogen ginge weiß ich nicht, werde es aber bestimmt noch herausfinden. Meine Neugierde ist nicht zu befriedigen!
Zum Glück stehen einige Feiertage bevor, an denen es hoffentlich etwas ruhiger zugeht im Club und mir die Sekretärin ihre ungeteilte Aufmerksamkeit widmen kann. Denn an Weihnachten will ich meinen vier- und zweibeinigen Lesern eine alte Überlieferung erzählen. Kein Märchen, eher eine Legende. Bis dahin fällt mir hoffentlich alles wieder ein, so wie ich es einmal selbst an Weihnachten gehört habe.
Ente à L’Orange, klassischer Entenbraten, oder lieber gefüllt. Wenn ich mich nicht bald entscheide, ist Weihnachten vorbei und die fetten Erpel schwimmen immer noch auf dem Mühlgraben. Dabei läuft mir jetzt schon das Wasser im Mund zusammen, wenn ich an solche Gaumenfreuden denke. Für die Füllung eignen sich die Innereien mit ein bisschen Weißbrot und Kastanien und überhaupt muss ich morgen um ein ernstes Gespräch mit der Köchin bitten.
Ich habe mich für die beiden Vorderen entschieden.
Ich plädiere für Entenfleisch als festen Bestandteil meines Speiseplans, wegen der vielen Vitamine und Nährstoffe. Vitamin B1 wirkt sich besonders günstig auf die Nerven und den Stoffwechsel aus. Diese unglaublichen Erlebnisse, denen ich hier in der Seniorenresidenz tagtäglich ausgesetzt bin, strapazieren nämlich mein Nervenkostüm aufs Äußerste. Gerade heute beim Morgenspaziergang, als ich zarte freundschaftliche Bande zu Kitty, einer Britisch Kurzhaar Kätzin knüpfen wollte, fauchte mich diese bezaubernde Samtpfote unmissverständlich an. Äußerlich ließ ich mir natürlich nichts anmerken, aber es könnte doch sein, dass ich mich aufgeregt habe. Vitamin B1 in Form von Entenbraten ist auf jeden Fall genau das Richtige!
154 Meter über dem Meeresspiegel – ist das viel oder wenig? Auf jeden Fall riecht es ziemlich normal. GPS-Koordinaten konnte ich auf dem Schild auch ablesen, um sie in mein Navi einzugeben. Jetzt frage ich mich ernsthaft, ob ich rückständig bin, weil ich keins habe. Ganz ehrlich: gebraucht habe ich es noch nie!
Standortkoordinaten brauche ich wirklich nicht.
Meine nachmittägliche Rundreise von der Saale zur Sinn und zurück zur Saalemündung in den Main erstreckte sich über fünf Kilometer. Das darf ich gar nicht nachrechnen, denn bei einer Schrittlänge von knapp 30 Zentimetern und weniger, werden daraus fast siebzehntausend Schritte auf vier Füßchen. In der Gesamtsumme ergibt das ungefähr achtundsechzigtausend einzeln platzierte Pfotenabdrücke. Ich bin beeindruckt, oder habe ich etwa mit meinen großen Pfoten den Taschenrechner falsch bedient?
Es war ein warmer Sommertag, als meine Geschwister und ich das Licht der Welt erblickten. Nicht dass ich mich tatsächlich so weit zurück erinnern könnte, nur unsere Mutter sprach gelegentlich davon. Sie hatte sich dafür auf einen schattigen Platz hinter dem Hühnerstall der Finca von Enrique Garcia Garcia und seiner Frau Adora zurückgezogen. An die Namen der drei Kinder im Haus kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, dass sie alle Tiere gut behandelt haben. Sogar die Hühner ließen sich beim Füttern immer wieder mal von ihnen einfangen, auf dem Arm herumtragen und streicheln.
Wir waren fünf Geschwister, doch außer mir gab es keinen weiteren männlichen Nachkommen für meinen Vater Alvaro und meine Mutter Flor. Vielleicht war ich deshalb ihr heimlicher Liebling. Sie nannte mich Raul. Wenn ich meine Augen schließe und ganz fest an sie denke, höre ich heute noch das zärtliche Grollen, mit dem sie mich rief. Sie nannte mich Raul, weil ich ein guter Rat gegen die Wölfe sein würde, falls Canis lupus signatus, der Iberische Wolf nach Mallorca kommen sollte.
Viel interessanter als der Wolf waren aber die Geschichten, die Mutter von unserem Großvater erzählte. Wenn die Rede auf ihn kam, spitzten auch meine Schwestern die Ohren. Großvater Dario, »Dario der Mächtige« wie er gerne genannt wurde, war nämlich kein Pastor Mallorquin – er war ein Chow Chow! Als er sich in unsere Großmutter Mora verliebt hatte, gab es wohl einigen Ärger in der Familie, der sich Dario selbstbewusst entgegenstellte. Die Form meiner Hinterläufe hätte ich von ihm und unverkennbar seine Ohren, schwärmte meine Mutter während sie sich an ihn erinnerte und mich dabei liebevoll anstupste.
Durch die gute Behandlung und das deftige Essen in der Finca wurde ich bald groß und kräftig, so dass mein Vater eines Tages entschied, es sei an der Zeit, dass ich ihn bei der Arbeit unterstütze. Mit stolz geschwellter Brust saß ich am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang neben ihm, als ein scharfer Pfiff ertönte und wir gemeinsam auf Enriques Pritschenwagen sprangen. Diese erste Fahrt werde ich nie vergessen, weil die Berge der Sierra de Tramontana immer größer wurden. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Zu unserer Herde gehörten 76 Schafe und Lämmer.
Am Ziel angekommen, erwartete uns Enriques Schafherde unter der Obhut meines Onkels Alejandro. Mit dem stimmte etwas nicht, denn er sprang für die Fahrt zur Finca nicht auf die Pritsche, er wurde hinaufgehoben. Wir waren also die Ablösung und hatten für die Sicherheit der Schafe zu sorgen. Keine leichte Aufgabe, wie wir feststellen mussten! 20 Tiere waren bei Marratxinet von 2 Hunden getötet worden, in Sa Casa Blanca nahe Palma de Mallorca waren 16 Lämmer und ein Schaf die Opfer wilder Hunde geworden. Vater und ich patrouillierten Tag und Nacht rund um die Herde, mit der wir uns schnell anfreundeten. Einmal pro Woche brachte Enrique frisches Wasser und einen ausreichenden Futtervorrat für uns beide. Mir gefiel dieses Leben!
Enrique kam immer tagsüber zu uns, meist am frühen Morgen. Deshalb war es merkwürdig bei Einbruch der Dunkelheit Motorengeräusche zu hören. Vater und ich waren besonders achtsam, so als ob wir ahnten, was uns bevorstand. Männer stiegen aus dem großen Lastwagen aus, rannten auf unsere Schafe zu und begannen, sie über eine Rampe auf die Ladefläche zu treiben. Mein tapferer Vater Alvaro, dessen Name zu recht Hüter und Wächter bedeutet, stellte sich zuerst noch mit lautem Bellen vor die Schafe. Als das nicht half, ging er zum Angriff über. Weil ich die aufgeregte Herde im hinteren Bereich der Weide beruhigen musste, konnte ich nur teilweise verfolgen, was vorne an der Straße geschah.
Eines jedoch hat sich unauslöschlich in mein Gedächtnis eingebrannt. Ein ohrenbetäubendes Geräusch. Ein furchtbarer Knall. Noch im gleichen Moment hörte ich den Aufschrei meines Vaters, der mir zurief „Lauf!“ Warum sollte ich die Herde aufgeben? Warum antwortete Vater nicht mehr? Ich verstand es nicht, gehorchte aber diesem Befehl und lief weg. 76 Schafe und Lämmer blieben schutzlos zurück.
Wohin nur sollte ich laufen? Den Weg zur Finca kannte ich doch nicht, weil ich nur einmal auf der Pritsche hergekommen war, nie zu Fuß. Anhand der Himmelsrichtung versuchte ich mich zu orientieren, war aber tagelang unterwegs, ohne auf eine menschliche Behausung zu treffen. Meinen Durst konnte ich stillen, aber der Hunger quälte mich sehr. Mit einer Maus wäre ich schon zufrieden gewesen, war aber zu ungeschickt eine zu fangen. Von leichtem Trab war ich längst in einen langsamen Trott verfallen, nur noch auf der Suche nach etwas Essbarem.
Verschiedene Motorengeräusche ließen mich aufhorchen. Das klang nach einer Straße, auf der Menschen unterwegs waren. Dort, wo die hinfuhren, würde ich bestimmt satt! So schnell ich noch konnte, folgte ich den Rücklichtern, froh bald am Ziel zu sein. Der Empfang war jedoch furchterregend und grausam. Kaum hatte ich die ersten Häuser erreicht, stellte sich mir eine Horde verwilderter Hunde entgegen. Vermutlich waren es solche, vor denen Onkel Alejandro uns gewarnt hatte. Ganz alleine und so geschwächt wie ich war, konnte ich es unmöglich mit den Raufbolden aufnehmen. Zu spät – ich war schon umzingelt. Zoltan, der Anführer, hatte leichtes Spiel mit mir, riss mir gleich ein Stück vom Ohr ab. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich zu unterwerfen, anderenfalls wäre es ein Kampf um Leben und Tod geworden. Zum Glück ließ die Bande von mir ab, hatte kein Interesse mehr an einem Feigling wie mir.
Bohrender Hunger meldete sich zurück, mein rechtes Ohr blutete und ich konnte mich kaum noch auf den Beinen halten. Essen zu finden war aussichtslos. Sämtliche Hinterhöfe standen unter Bewachung durch Zoltans Rudel, rund um alle Mülltonnen war Sperrbezirk. Zutiefst traurig schleppte ich mich in eine Hausecke, wo ich Schutz unter einer Treppe suchte. Eine glückliche Fügung wollte, dass ich dort gefunden wurde und einen Platz im Tierheim erhielt; ein Jahr später übersiedelte ich nach Deutschland.
Das ist mein buntes, aufregendes Leben, zusammengefasst in wesentlichen Stichpunkten bis zu dem Tag, als mir Obdach in einem mallorquinischen Tierheim gewährt wurde.
Auf einen Schlag holte mich meine Vergangenheit wieder ein. Fast neun Jahre war ich Insasse im Tierheim von Gelnhausen, davor saß ich ein Jahr in einem mallorquinischen Tierheim. Wenn mich Regina Wulf damals nicht nach Deutschland gebracht hätte, wer weiß wie mein Leben dann verlaufen wäre. Auf dem Weihnachtsmarkt habe ich einige alte Bekannte getroffen, mit denen ich den Zwinger geteilt habe und die genau wie ich zu den Gangstern vom Galgenfeld gehörten. Mit Balas, den spanische Gewehrkugeln fast das Leben gekostet hätten, war ich besonders eng befreundet. Ihm vertraute ich Details von früher an, die ich längst verdrängt hatte.
Es wird Zeit, dies alles aufzuarbeiten. Ab dem Tag, an dem ich mich finden ließ, ist meine Geschichte bekannt. Beim Gedanken an das, was vorher geschah, wird mir immer noch schwer ums Herz. Spanisches Feuer fließt in meinen Adern und genauso stark durchströmen mich jetzt die Emotionen. Es ist so weit, alles in chronologischer Reihenfolge aufzuschreiben. Gleich morgen früh will ich die Sekretärin im Club fragen, wann sie Zeit hat mir zuzuhören und meine Autobiographie zu tippen.
Rückblickend war der Aufenthalt in Gelnhausen ein schöner Abschnitt meines Lebens, zu dem Balas gehörte, Monty, Schnecke und all die anderen liebenswerten Geschöpfe. Wenn ich mit dem einen oder anderen auch mal so richtig Zoff hatte, sie waren allesamt verlässliche Kameraden.
Ginger wohnt unter dem dritten Tisch, gleich rechts wenn man ins Café kommt. Auf dieses aparte Wesen hatte ich mich so sehr gefreut, weil ich sie doch endlich einmal näher kennenlernen wollte. Doch ausgerechnet heute versteckte sie sich oben in der Wohnung. Die Ärmste war am Donnerstag beim Friseur und ist todunglücklich, traut sich nicht herunter, bevor ihr lockiges Haar wieder nachgewachsen ist.
Ersatzweise flirtete ich mit Chefin Manu, die mir prompt einen neuen Kosenamen verpasste. Ob ich mich damit wohlfühlen kann, überlege ich noch. Anstelle Mäusilein – woran ich mich tatsächlich schon gewöhnt hatte – nannte sie mich heute Schmusebär. Also gut, ich lege meine Identität offen und gestehe freimütig: ich bin Buddy Pastor Mallorquin, alias kleiner Hase, alias Mäusilein, alias Schmusebär. Nur im Club sind wir viel intimer – mehr verrate ich nicht.
Streicheleinheiten sind etwas Wunderbares, davon kriege ich nie genug!
Der Kerl hat sich einfach nicht vertreiben lassen. Unverschämt! Immer wenn ich mich mit den besten aller Leckerbissen zurückziehen wollte, um in Ruhe zu genießen, tauchte er plötzlich auf. Mal von rechts, mal von links, und wenn ich ihn anknurrte, gab er keine Antwort.
Die paar Krümel lasse ich für ihn liegen, die holt er vielleicht später wenn es keiner sieht.
Inzwischen weiß ich, dass er mir beim Essen nur zuschauen will. Deshalb ignoriere ich ihn, finde es aber höchst merkwürdig, dass er mir aufs Haar gleicht. Ich habe also einen Zwilling, oder einen Doppelgänger. Zwilling scheidet aus, denn der würde sich seinen Teil vom Schweineohr ungefragt nehmen. Also doch ein Doppelgänger?
Talentiert wie ich nun einmal bin, übernehme ich die Aufgabe des Knäuelfängers. Sobald sich Wolle selbstständig macht und vom Tisch springt, um wegzurollen, bin ich zur Stelle und bringe den Ausreißer zurück. Theoretisch habe ich mich schon darauf eingestellt, die praktische Erprobung steht noch aus.
Die Handarbeitslehrerin vom Club hat mich bereit mit prüfendem Blick gemustert. Bestimmt rechnet sie längst aus, wie viel Wolle ein Mantel für mich benötigt und überlegt ein hübsches Muster. Hoffentlich habe ich wenigstens bei der Farbwahl ein Mitspracherecht.
Vorlaut und gewitzt, so lernte ich heute Otto kennen. Der hatte sein Halsband schneller ausgezogen, als sein Herrchen für das nächste Kommando Luft holen konnte. Das wäre ein ganz einfacher Trick, rief mir Otto zu, bevor er mit Ivo und Leila bergauf eilte. „Du musst beim Anlegen vom Halsband nur die Nackenhaare sträuben, tief einatmen, Luft anhalten bis die Adern dick werden und ein bisschen zappeln. Dann ist es garantiert nicht eng genug und du kannst unterwegs entwischen!“
Der clevere Otto, rechts, hat bestimmt noch mehr findige Ideen.
Zugegeben, den Kniff kannte ich noch nicht. Typisch Dackel-Melange, entscheidungsfreudig und ausgesprochen freundlich, was auf seine Begleiter ebenfalls zutrifft. Über die anderen Begegnungen, die ich heute noch hatte, hülle ich mich lieber in Schweigen. Obwohl es durchaus interessant wäre jeweils herauszufinden, wer der Exzentriker ist: Hund oder Mensch?
Abends begleite ich eine Residenzbewohnerin, die unbedingt immer noch mal um die Häuser ziehen will. Weil das für eine Frau alleine viel zu gefährlich ist, komme ich natürlich mit. Gestern haben wir noch einen Film gesehen und sind tatsächlich erst nach Mitternacht losgelaufen.
Ganz in der Nähe wurden wir auf das Klirren von Glas aufmerksam. Ein Geräusch, das definitiv nicht zu nachtschlafener Zeit passt. Im Hof eines der Nachbarhäuser bewegte sich jemand, schwang sich auf ein Rad und fuhr ohne Licht weg – direkt an uns vorbei.
Aus tiefster Kehle begann ich zu knurren. Die Situation war mir absolut suspekt, das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen! Am liebsten wäre ich dem nächtlichen Ruhestörer (und was auch immer er noch gewesen sein mochte) nachgelaufen. Jedoch überwog die Verantwortung, die ich als Begleit- und Schutzhund übernommen hatte, und ich führte das erschrockene Wesen an meiner Leine unbeschadet zurück.
Kontrollgang morgens nach der nächtlichen Ruhestörung.
Heute Morgen überprüfte ich das gesamte Terrain mit geübtem Blick, ging auf Spurensuche hinter jedem Grashalm. Sherlock Buddy in Aktion! Nachdem ich keine Unregelmäßigkeit feststellen konnte, bin ich gespannt, ob die heutige Nachtpatrouille ohne besondere Vorkommnisse bleibt.
Eine Frage, die nur philosophisch geklärt werden kann ist zweifellos die nach meiner Lieblingsbeschäftigung. Wer mich vor 10 Minuten gesehen hätte, der hätte nicht gefragt. Viel zu hingebungsvoll habe ich an einem Rinderschlund genagt, als dass jemals etwas anderes wichtiger sein könnte. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Yvi, die ihre feinsten Leckerbissen mit mir teilt.
Der wärmste Platz gehört mir!
Wer mich jetzt sieht weiß, dass Schlafen meine momentane Lieblingsbeschäftigung ist. Und über alles andere philosophieren wir beim nächsten Mal.