Ersatzfreundin

Zu meinem Entzücken traf ich die kleine Ausreißerin wieder und hatte Gelegenheit, mich näher mit ihr zu befassen. Bella flaniert gerne auf der Kaiser-Nero-Allee – genau wie ich – und wir hatten ausreichend Muße allen Duftspuren zu folgen, während wir einander unsere Sympathie gestanden.

Ich weiß immer noch nicht, ob ich meine Yvi jemals wiedersehe. Ablenkung hilft, die traurigen Gedanken zu vertreiben.

Bella hat eine ähnliche Fellfarbe, aber damit sind wir schon am Ende der Gemeinsamkeiten angelangt. Im Gegensatz zu Yvis sportlich-muskulösem Körper lockt Bella mit deutlichen Rundungen und sie ist sehr klein. Aber Delikatessen sind immer klein und ich lasse mich gerne überraschen!

Rasenkarussell

Kurzzeitig war in meiner Residenz die Stelle für den Aushilfsgärtner ausgeschrieben. Mir persönlich wären Schafe bei der Landschaftspflege lieber, aber wenn ich mich zusätzlich um eine Herde kümmern müsste, hätte ich noch mehr Arbeit. Obwohl, reizen würde es mich schon, schließlich habe ich das ja gelernt!

Beim Vorstellungsgespräch mit dem Gärtner war ich nur so weit in der Nähe, dass ich Rasenmähen verstand. Ob er Empfehlungsschreiben vorweisen konnte und welchen Studiengang er absolviert hat, muss ich noch herausfinden. Die Chefin wird doch hoffentlich nicht den erstbesten genommen haben? Deshalb beschloss ich, ihn ganz genau im Auge zu behalten.

Den merkwürdigen Eindruck, den er dabei auf mich machte, kann ich kaum in Worte fassen. Er fuhr einfach nur im Kreis, wie auf einem Karussell. So recht konnte ich mir auf diesen eigenartigen Zweibeiner keinen Reim machen, erkannte aber deutlich, dass er Spaß dabei hatte. Also beschloss ich, ihm beim nächsten Mal nur dann Zutritt zum Residenzgarten zu gewähren, wenn er mir eine gehörige Portion Entenstreifen mitbringt, damit ich auch meinen Spaß habe!

Kaiser-Nero-Allee

Seiner kaiserlichen Hoheit, dem kleinen Nero, gebührt das Recht der Namensgebung für den neuen Weg im Wald. Es gab viel Arbeit zu erledigen, alleine die Koordinierung (meine Aufgabe!) war schwierig genug. Doch nun, nachdem der Hausmeister meiner Residenz auch noch Zeit hatte, das Straßenschild anzubringen, ist es endlich so weit.

Einen ganz besonderen Dank schicke ich an dieser Stelle an das Gelnhäuser Tierheim, mein langjähriges Zuhause. Von dort kam die tatkräftige Unterstützung für dieses schöne Schild. Neros Untertanen haben Hand angelegt, den Wildwuchs auf der ehemaligen Prachtstraße zu entfernen, andere freundliche Mitmenschen und ein tolles Forstamt halfen ebenfalls mit.

Nero ist derzeit zur Erholung in den Bergen, Yvi wird immer noch vermisst, aber wenn beide wieder da sind, feiern wir zur Einweihung eine kleine Party mit Entenstreifen für alle Gäste. In einer geheimen Konferenz werden wir anschließend festlegen, wie wir betreffend der Mautstellen verfahren. Das dürfen wir nicht vergessen!

Vermisstenmeldung

Meine Yvi ist verschwunden. Sie ist einfach weg und ich kann sie nicht finden. Beinahe jedes Steinchen habe ich in ihrem Vorgarten umgedreht, doch nirgends kann ich eine frische Spur von ihr erschnuppern. Eines meiner Ohren ist immer bereit den leisesten Laut von ihr aufzufangen. Was mache ich nun am besten? Eine Vermisstenmeldung aufgeben? Sie ist seit Samstag spurlos verschwunden, die übliche Dreitagesfrist ist längst verstrichen.

Urlaub, dieser merkwürdige Begriff, wird mir zunehmend suspekter. Wenn es sich vielleicht um eine neue Trainingsform für eine Obedience-Ralley handeln sollte, muss dies schrecklich anstrengend für meine Freundin sein. Ich werde am besten in ihrem Garten auf sie warten, damit sie sich an meine Seite flüchten kann, wenn sie endlich wieder nach Hause kommt.

Vorgartengeheimnis

Monatelang glich der große Vorgarten in einer der Parallelstraßen einer Ausstellungsfläche für Rindenmulch. Ohne Bewuchs, ohne den kleinsten Grashalm war diese Ödnis nicht einmal für Ameisen oder Spinnen attraktiv.

Doch nun offenbart sich ein abgrundtiefes Geheimnis. Als die Steine aufgestellt wurden, vermutete ich darunter zuerst noch das Grab von Kater Amaretto oder Dalmatiner Oreo und wartete auf einen würdevollen Schriftzug.

Aber als noch ein Nachtlicht dazu kam, zeigte sich die Wahrheit: Dragon Age! Hier befindet sich das Grab von Fairel. Es gibt Gerüchte über einen gewaltigen Schatz, der in einem Grab in der Fauchenden Ödnis verborgen sein soll.

Da ich nun den Weg dahin kenne, biete ich jedem wagemutigen Abenteurer meine Begleitung an. Verhandlungen über die Entlohnung gibt es nicht, der Entenstreifen-Tarif liegt unverändert bei 100 Prozent.

Ausreißer

Sie muss es sehr eilig gehabt haben, ihr Haus zu verlassen, denn sie trug keinen Schmuck. Das bin ich von Hundedamen nicht gewöhnt, wo wenigstens ein chices Halsband zum Outfit gehört. Fasziniert von ihrer freundlichen Art ließ ich mich auf einen kleinen Schwatz ein, bevor ich mich entschied, die Treppen zum nächsten Haus zu erklimmen, dessen Türe offen stand.

Tatsächlich war sie hier ausgebüchst! Kaum hatte ich mich bemerkbar gemacht, folgte mir schon ein Nachbar, der Bella – so heißt das putzige Wesen – auf seinen Armen nach Hause trug. Ob sie es wohl darauf abgesehen hat, in den Armen fremder Männer zu liegen? Bei Gelegenheit muss ich mal ein ernstes Wort mit der Kleinen reden!

Endspurt

Am 26. August endet die Abstimmung bei der Sparda-Bank, auf deren Zuschuss das Tierheim in Gelnhausen hofft. Bis dahin bitte ich nochmals um Hilfe per Mausklick.

Mein Namensvetter Buddy, ein Herdenschutzhund, hat sei früheres Leben an einer Kette verbracht und kam nach behördlicher Sicherstellung ins Tierheim. Bei der Vermittlung geht es ihm jedoch schlimmer als mir – er hat gar kein Glück. Zweimal kam er wieder zurück, weil er für ein enges Leben mit Menschen einfach nicht gemacht ist. Hinzu kommt eine Herzerkrankung und eine Lahmheit, weshalb er im Tierheim bleiben darf bis an sein Lebensende.

Die normalen kleinen Hundezwinger mag er nicht, weswegen er nun ein schönes, geräumiges Gehege bekommen soll. Ein Quartier für Buddy, damit er es gut hat und sich, obwohl er im Tierheim lebt, wohlfühlen kann.
Das ist sein Traum! Ihr könnt diesen wahr machen, indem Ihr für Buddys Quartier-Aktion hier votet!

https://www.sparda-vereint.de/voting/tierschutz-3/ein-neues-quartier-fuer-buddy/support/

Nomen est omen

Der Name ist Programm, könnte man beinahe glauben, wenn Ouzo über den Boden seiner Terrasse kugelt. Dabei verabscheut er nichts mehr als Alkohol, und für seinen Namen kann er auch nichts. Ihm geht es wie mir: ein zweiter Name wurde gebraucht, damit in den Adoptionspapieren nicht einfach nur „Hund“ steht.

Dabei würde es durchaus vornehm klingen, mit „Herr Hund“ angesprochen zu werden. Doch auf die Idee kommen die wenigsten. Manchmal wünschte ich mir schon, einen Adelstitel zu tragen. Dann käme mein Name Raul, den mir meine Mutter gegeben hat, besonders gut zur Geltung. Als Raul Condado de Miravalle hätte ich bestimmt noch bessere Chancen bei Kleopatra, der Tochter von Baghira Guardian Angel vom Rauhenhals.

Es bleibt schwierig, den richtigen Weg einzuschlagen als Casanova, der alle Frauenherzen höher schlagen lässt.

Urlaubsvertretung

Ohne ein Wort des Abschieds startete Yvi heute früh in den Urlaub. Es macht mich (k)ein bisschen traurig, denn der kluge Mann baut vor! Meine Neue heißt Kleopatra – also meine neue Nachbarin. Unser erster Kontakt verlief bereits sehr zufriedenstellend, durchaus harmonisch.

Ihre Freunde rufen sie Kleo, welchen Kosenamen ich dieser göttlichen Herrscherin unserer Straße gegeben habe, verrate ich (noch) nicht. Ihre liebreizenden Löckchen und ihre großen Kulleraugen lassen mich das brüske Verhalten meiner Favoritin vergessen und ich bin sicher, dass Kleo die perfekte Urlaubsvertretung für Yvi sein wird.

Polizeieinsatz

Politisch eher neutral beziehe ich nun doch einmal Stellung und bekenne mich als Fan von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Ihr neuer Gesetzesentwurf zur Haltung von Hunden soll meinen Artgenossen künftig mindestens zweimal täglich für wenigstens eine Stunde Auslauf verschaffen. Sehr gut! Ich bin auch für einen Sachkundenachweis vor der Anschaffung eines Hundes, das würde viel Leid ersparen.

Wenn es so weit ist und meine uniformierten Freunde von der Polizei den „Hundeführerschein“ kontrollieren, brauchen sie nicht hierher zu kommen. Das habe ich heute beim Morgengassi geklärt: allen kleinen und großen Nachbarn geht es gut. Nur Daisy und Luna sind ein bisschen übergewichtig, weil sie zu viel naschen. Da würde ich eine Diät verordnen – ganz ohne Polizei.

Drachentöter

Unerschrocken stelle ich mich jedem Ungetüm in den Weg und kämpfe sogar gegen Drachen. Wer mich kennt, weiß wie tapfer ich bin, dass ich ein absolut perfekter Beschützer bin. Doch meine wahren Beweggründe habe ich noch nie offenbart.

Um so mehr Ruhm und Ehre mir gebührt, um so attraktiver werde ich für die Damen egal welchen Alters und welcher Fellfarbe. Verständlicherweise wollen sie sich lieber einem mutigen Begleiter hingeben, als einem der den Schwanz einklemmt, sobald es im Unterholz raschelt.

Deshalb arbeite ich ständig an meinem Image und nutze jede Gelegenheit zur Werbung in eigener Sache. Klappern gehört zum Handwerk wie der Charme zum Casanova und mein guter Ruf eilt mir voraus!

Seitensprung-Beichte

Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, denn wenn Yvi dagewesen wäre, hätte mich Frieda nicht verführen können, aber um des lieben Friedens willen trat ich den Gang nach Canossa an. Meine Beichte war von deutlichen Zeichen begleitet, sowohl auf ihrer als auch auf meiner Seite. Am Anfang des Gesprächs schauten wir uns nicht einmal an und drehten sogar die Köpfe voneinander weg.

Mit meinem unwiederstehlichen Charme habe ich es selbstverständlich geschafft, dass ich ihr alles ins Ohr flüstern durfte. Nur die Tür hat sie mir noch nicht geöffnet. Doch ich bin überzeugt, dass ich beim nächsten Mal wieder willkommen bin und überlege jetzt schon, was ich ihr als Geschenk mitbringen könnte. Vielleicht einen Lachshautknochen, denn es muss schon etwas besonderes sein für die Nummer 1 in meinem Harem!

Seitensprung

Ungesunder Ehrgeiz und übertriebener Arbeitseifer kann einen Keil in jede gute Beziehung treiben. Wieso musste Yvi auch schon wieder ihren Sonntag bei einem Obedience-Turnier verbringen, anstelle zu Hause zu bleiben und mit mir zu kuscheln? Bettgeschichten mit mir machen doch viel mehr Spaß, als so einen Parcours zu durchlaufen!

Sie ist schuld, wenn andere Damen die Gunst der Stunde nutzen und mich zu einem amourösen Abenteuer aufmuntern, weil ich ihnen in meiner Einsamkeit leid tue.

Aber weil ich ehrlich bin, gestehe ich lieber gleich, dass ich das Date mit meiner Fernbeziehungsliebe Frieda längst schon geplant hatte. Wie soll ich es auch sonst anstellen, mich mit anderen weiblichen Wesen zu treffen – das geht doch nur, wenn Yvi nicht da ist!

Umkehrschluss: wäre Yvi zu Hause geblieben, wäre es niemals zu diesem Seitensprung gekommen und ich hätte Frieda nicht geküsst. Aber das war ganz harmlos, ich schwöre, und mehr ist auch gar nicht passiert. Leider.

Überraschungstag

Selbst auf einen erfahrenen Pastor Mallorquin warten immer wieder mal Überraschungen. Diese Unterholzkontrolle hat sich absolut gelohnt, auch wenn meine Begleiterin zuerst noch geglaubt hatte, ich sei spurlos verschwunden. Wenn es nicht zu weit führen würde und die Intimsphäre dieser Namenlosen, vor mir dagewesenen beträfe, würde ich in aller Öffentlichkeit davon erzählen. Nur mal so viel: es war derart spannend im Unterholz, dass ich mich sogar entschloss, auf der gegenüberliegenden Seite einen Steilhang zu erklimmen. Doch für diesen Anstieg hätte ich Steigeisen gebraucht und darauf war ich leider nicht vorbereitet.

Am Nachmittag wartet noch eine Überraschung auf mich. Mehr habe ich aber noch nicht erfahren. Diesem bevorstehenden Erlebnis schlafe ich jetzt erst mal in aller Ruhe entgegen.

Gewittervertreiber

Es kostete mich kaum Mühe, lauter zu sein, als diese grässlichen Donnerschläge, die meinen Spaziergang abrupt ausgebremst haben. Aus Rücksicht auf meine Begleiterin hatte ich nichts gegen den Unterstand in der Garage am Haus vorm Wald einzuwenden. Ganz im Gegenteil! Die Trichterform der offenen Halle verstärkte mein Bellen um ein Vielfaches. Irgendwann würde sich Erfolg einstellen, die schwarzen Wolken würden weiterziehen und der prasselnde Regen würde aufhören.

Und siehe da, mein Bellen hat etwas genutzt. Blitz und Donner, die sich genau über uns ausgetobt haben, machten einem leisen Landregen Platz. Das nasse Fell schmeichelt meinem muskulösen Körper, meine Pfoten fühlen sich wohl auf nassem Boden, und ich genieße diese Abkühlung nach der Hitzewelle ganz besonders.

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