Als eingespieltes Team sondieren Balou und ich das Terrain, stets auf unseren Vorteil bedacht. Während wir unsere Kreise ziehen, beobachten wir unauffällig Jackentaschen mit verdächtigem Inhalt.
So harmlos wie wir aussehen, sind wir natürlich immer!
Mit meiner stattlichen Größe gelingt es mir problemlos, die Erpressung einzuleiten. Dank meiner Hütehundgene dränge ich das Objekt in die Enge, so dass sich Balou blitzschnell zum Frontalangriff umdrehen kann und wir beide gleichermaßen in den Genuss der begehrten Entenstreifen kommen.
Meine Favoritin, meine verehrte und begehrte Yvi, hat mir unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass sie mit meinen Ideen zu den Liebesschlössern devinitiv nicht einverstanden ist. Die Süße will auf keinen Fall die Letzte in der Reihe sein, wenn die Schlösser in alphabetischer Reihenfolge aufgehängt werden.
Ich werde alles dafür tun, dass Yvi nicht mehr mit mir schimpfen muss!
Nur mein angeborener Stolz hat mich gerade noch davor bewahrt, dass ich bei ihrer weithin zu hörenden Standpauke nicht auch noch den Schwanz eingezogen habe. Was soll ich nur tun, jetzt ist guter Rat teuer. Apropos teuer – da kommt mir die beste Idee aller Zeiten! Ich werde Yvi ab sofort täglich mit kleinen Geschenken verwöhnen. Irgendwann haben alle meine Idee mit den Liebesschlössern vergessen und meine Favoritin bleibt mit auf jeden Fall wohlgesonnen. Hoffentlich!
Zu meinen gelegentlichen Meetings in einem externen Büro kommt immer auch Balou; Kaya nimmt seltener daran teil. Balou und ich, wir beide, geben uns wirklich große Mühe, alle Tagesordnungspunkte zu erledigen, deshalb kann es schon mal länger dauern und zu Überstunden führen.
Büroarbeit macht ungemein hungrig!
Balou freut sich dann, wenn ich meine Pausensnacks mit ihm teile, denn Kaurolle Karotte-Huhn ist etwas für echte Kerle und gibt Kraft für die nächste Marathonsitzung.
Unkonzentriert, vergesslich, ein Grund zur Sorge? In meinem Fall schon, denn es hängt doch unmöglich mit meinem Alter zusammen, dass ich nicht mehr alle Namen meiner Verehrerinnen aufzählen kann. Oder?
Es gibt nur zwei Wahrheiten: 1. ich bin tatsächlich schon so alt, dass mein Erinnerungsvermögen nachlässt, oder 2. ich habe zu viele weibliche Fans. Bingo! Letzteres trifft definitiv zu, und ich reihe Mira noch nachträglich in meine gestrige Aufzählung für Brückenschlösser ein.
Und da war auch noch Frieda, die Arzthelferin, meine Fernbeziehung namens Frida, die Sopranistin Fiene, und …
Ob ich mal Ginko probiere? Vielleicht gibt es das mit Hühnchen und Schinkenstreifen!
Ich sollte öfter mal einen Blick ins Leere schicken, um tief in meiner Schläfenregion den Hippocampus zu animieren wieder ordentliche Arbeit zu leisten. Den Namen einer Frau zu vergessen ist absolut unverzeihlich, deshalb überlege ich eine andere Lösung, sozusagen Plan B, und lasse mir einen pauschal gültigen Kosenamen einfallen, der dann für alle gilt. Aber wie geht es dann weiter, vielleicht nummeriert in Schatzi 1, Schatzi 2, Schatzi 3 …?
Wenn »I love Buddy« auf dem Schloss stünde, hätte ich mich wirklich gefreut über dieses erste Brückenschloss. Aber jetzt geht das große Suchen los: Schnüffelnase auf den Boden, Spur aufnehmen und zutiefst konzentriert herausfinden, wo die beiden Menschen hingegangen sind. Herauszufinden um wen es sich dabei handelt, ist dann für Sherlock Buddy kein Problem mehr.
In diesem Fall wird Neugier zu meinem zweiten Vornamen!
Aber von wem bekomme ich mein eigenes Liebesschloss? Yvi, Umira, Kaya, Daysi, Lotta, wer von euch wagt das Bekenntnis, die Liebe zu mir öffentlich einzugestehen? Wie wäre es, wenn ihr am 14. Februar mit fünf persönlich gravierten Schlössern zur Brücke kommen würdet? Ich erwarte euch am Valentinstag gerne um 14 Uhr am Zugang zur Brücke und sorge persönlich dafür, dass die Schlösser in alphabetischer Reihenfolge aufgehängt werden.
Allerdings werde ich sicherheitshalber ungefähr 5 – 10 Geländerstäbe zwischen den einzelnen Schlössern freilassen, damit künftige Liebesbeziehungen ordnungsgemäß dokumentiert und von A – Z eingereiht werden können.
Erste Zuschriften von Fremden sowie Berge von Fanpost aus den Reihen meiner treuen Anhänger beweisen: mein Gang zum Friseur hat sich gelohnt! Nun steht der nächste Schritt bevor, doch der will wohlüberlegt sein, denn möglicherweise gibt es keinen Weg zurück.
Ich soll mich mit diesem tollen, seidigen Fell als Katze bewerben!
Catwalk in London, Paris und New York? Soll ich dafür die Spaziergänge im Saaletal aufgeben? Meine vierbeinigen Freunde wären unendlich traurig! Ganz sicher schlafe ich noch einmal darüber – und noch einmal – und dann?
Als Puma würde ich doch auch eine gute Figur machen! Oder?
Bilder sagen mehr als viele Worte, deshalb lade ich jeden ein, mir beim Duschen mit Birgit Küssling zuzusehen.
Beim Duschen naschte ich lecker Entenstreifen.
Im Salon »Schick vom Schönrainblick« wurde ich mehrfach schamponiert, anschließend abgetrocknet und dann ging es an Eingemachte.
Vier Hände zu spüren war sehr angenehm!
Birgit hat mein Fell mit verschiedenen Bürsten ausgedünnt, bevor sie mir mit einem Kamm auf den Pelz gerückt ist.
Wäre ich ein Huhn stünde hier ich hätte viele Federn gelassen.
Mein toller Körper kommt jetzt wieder richtig zur Geltung, meine stattliche Erscheinung wirkt nun noch Ehrfurcht gebietender und die Mädels sind alleine von meinem Anblick überwältigt.
Nach rund eineinhalb Stunden sehe ich einfach toll aus!
Jede einzelne Fellspitze glänzt und ich fühle mich richtig wohl nach diesem Erlebnis.
Behaltet mich in lieber Erinnerung, so wie Ihr mich kennt. Ab heute Nachmittag müsst Ihr Euch an einen neuen Buddy gewöhnen, der wie Phoenix aus der Asche zu einem der begehrtesten Hunde weit und breit geworden ist. Noch mehr Verehrerinnen bringe ich kaum zwischen meinen knapp getakteten Terminen unter, aber es muss wohl sein.
So schlimm sieht das doch gar nicht aus, oder?
Mein Fell ist verfilzt, das Haar geht in Büscheln aus, und auf meinem Rücken wird die talgige Stelle immer größer. Nur bei Regen ist dies von Vorteil, weil das Wasser am Fett abperlt. Also gehe ich heute zum professionellen Duschen, werde mich aber vehement wehren, falls mir eine andere Fellfarbe, oder gar Dauerwellen verpasst werden sollen.
Nach einem Tag wie gestern kann ich kaum glauben, dass sich der Sturm gelegt hat. Beim Spaziergang glaubte ich fast zu schwimmen, aber nicht zu laufen, und der Regen ging mir glatt unter die Haut. Da blieb nur eine Möglichkeit – ich musste mich trockenschlafen. Ob das Wasser in Saale und Main jetzt anders schmeckt, vom Regen verdünnt? Ich bin mir nicht sicher.
Wer erkennt den Unterschied? Links ist das Mainufer, rechts das Saaleufer am Mühlgraben.
Aufregung ist mir gänzlich fremd, das behaupte ich jetzt einfach mal, weil mir niemand so schnell das Gegenteil beweisen kann. Also werde ich tapfer bleiben, auch wenn mir die Knie noch so schlottern und ich mich fühle wie ein Schaf, das auf die Schlachtbank geführt wird.
Ich soll mich baden lassen!
Schuld daran sind wieder einmal nur Frauen – für wen würde man(n) sonst solche Tortouren auf sich nehmen! Von Lotta, der attraktiven Großpudeldame geht die Inspiration aus. Mein Harem in der Residenz, angefangen beim Zimmermädchen, über Köchin und Animateurin bis zur Direktorin ist vollauf begeistert von der Idee.
Die alte, längst verfilzte Unterwolle soll ausgewaschen werden. Damit wäre ich ja gerade noch einverstanden, vielleicht auch mit dem anschließenden Warmluftgebläse, aber wehe, mir wird der Bart gestutzt oder das Haar aus den Ohren gezupft. Da bewundere ich Lotta, die den Scherkopf mit stoischer Gelassenheit an ihren zarten Lefzen spürt, ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken.
So tapfer kann nur Lotta sein!
Tatsächlich stimme ich der Prozedur nur aus einem einzigen Grund zu: ich erwarte Besuch von meinen ehemaligen Gassigängerinen aus dem Gelnhausener Tierheim. Für die lieben Mädels würde ich – wenn es ihnen gefiele – sogar Kouros von Yves Saint Laurent auflegen.
Gerade noch rechtzeitig habe ich erkannt, wer da meine persönliche Fitness-Strecke überquert. Kein totes Stöckchen, sondern eine höchst lebendige Raupe nutzte die Wärme der Sonnenstrahlen für einen Ausflug. Wenn sie es weiterhin schafft, großen Pfoten und noch größeren Schuhen aus dem Weg zu gehen, wird aus ihr ein Eulenfalter.
Eine Eupsilia Transversa zwischen meinen Vorderpfoten.
Sie ist viel zu früh dran, sollte sich erst im Mai bemerkbar machen. Aber woher soll das eine kleine Raupe wissen, die sich einfach nur nach ihrem Gefühl und den Witterungseinflüssen richtet?
Alle im Kreis rechts herum, dann wieder links herum – pure Anstrengung am frühen Morgen! Andererseits schmeckt das Frühstück nach gemeinsamem Frühsport um so besser. Meine lieben Freunde Balou und Yvi hatten es nicht so gut wie ich, denn mir war als einzigem ein kleines Picknick eingepackt worden. Besser als nichts und geteilt durch drei, so machen kleine Pausen beim Sport noch mehr Spaß.
Yvi, Balou und ich legen großen Wert auf Fitness.
Für den Rest vom Tag musste ich meine Runden alleine drehen, denn bei dem Sturm, der einen gestandenen Elefanten durch die Luft wirbeln und sogar mein dickes Fell bis auf die Haut durchdringen konnte, blieben alle anderen Zwei- und Vierbeiner zu Hause.
Bei einem Wetter, das normalerweise jeden Hund davor bewahrt, außer Haus gehen zu müssen, entführte mich meine Animateurin zu einem feuchtfröhlichen Ausflug. Unser Ziel war absolut lohnenswert, denn ich wurde wieder nach Strich und Faden verwöhnt.
Zum Aperitif reichte mir die fürsorgliche Bedienung sofort die Karte.
Ja, nah und groß genug, das geht ohne Lesebrille.
Ausgehungert nach fast einstündigem Marsch durch strömenden Regen entschied ich mich für das getreidefreie Wildschein von Adventuros. Dem übervollen Teller, liebevoll angerichtet, folgten sechs Augenpaare und jeder meiner Bissen wurde aufmerksam kommentiert.
Es war unbeschreiblich köstlich!
Was soll ich sagen: sehr lecker, und ich kann das Café-Bistro »Gute Laune« nur empfehlen! Bei Umira habe ich das schon im Vorbeigehen erledigt. Die Gute hat mir vom Zimmerfenster aus zugebellt. Yvi habe ich noch nicht erreicht, aber die geht später sowieso wieder online und liest mit. Mädels, ich lade Euch beide ein, lasst uns etwas ausmachen!
Bei den vielen Abenteuern, die ich tagein, tagaus erlebe, könnte ich ohne Tagebuch beinahe den Überblick verlieren. Von Irmgard, Irma und Isolde habe ich auch noch nicht berichtet, wobei das allerdings einen besonderen Grund hat. Denn ich kämpfe mit mir, der Fleischeslust abzuschwören und ins Lager der Vegetarier zu wechseln. Ernsthaft!
Doch dies will gut überlegt sein, und bevor ich nicht sämtliche Gemüsekauriegel der Reihe nach verkostet habe, treffe ich keine endgültige Entscheidung. Meine liebe Yvi hat mir schon einige Geschenke bereitet, wovon die Rote-Beete-Kekse die besten waren. Da kommt mir gerade die Idee, Yvi öfter einzuladen. Wenn sie mich jedes Mal mit einem Gemüseriegel überrascht, werde ich garantiert zum Bedarfs-Vegetarier.
Und bei der nächsten Zwischenmahlzeit mit getrockneten Hühnerstreifen denke ich an etwas ganz anderes, nur nicht an meine gefiederten Freundinnen Irmgard, Irma und Isolde.
Jetzt, da ich wieder einziger Bewohner der Residenz bin, weil die Kurzzeitpflege für den ausländischen Gast beendet ist, jetzt widmet sich das Personal endlich wieder mir alleine! Das ging heute schon beim Frühstück los, weil die Köchin Zeit hatte, dem Joghurt kleine Fleischstücke beizufügen und mit Lammlunge eine Dekospitze aufsetzte. Das Auge isst mit!
Wenn Balou und ich mit dem uns angeborenen Hypnoseblick arbeiten, regnet es Entenstreifen. Nur der kleine Nero kam zu spät, für ihn war nichts mehr übrig.
Meine Animateurin hat sich um adäquate Begleitung beim Morgenspaziergang bemüht (Balou ist inzwischen auch per Handy erreichbar), und nach dem zweiten Frühstück kommt die Friseurin zu mir. Es ist dringend notwendig, meinem Fell frischen Schwung zu verleihen und die Spitzen aufzupeppen. Im aktuell wirklich extremen Fellwechsel verzichtet sie auf die feine Drahtbürste, die ziept nämlich, und ich muss die Zähne fest zusammenbeißen. Dagegen ist die Berührung mit dem grobzinkigen Kamm reiner Genuss, und die lose Unterwolle lässt sich noch besser auskämmen.
Vielleicht werden die neuen Haare auch viel länger als die alten, dann lasse ich mir Zöpfe flechten!
Über eine neue Fellfarbe denke ich schon intensivst nach! Die Konzentration darauf wirkt, denn mein „Nachwuchs“ ist schwarz und ich bin gespannt ob es so bleibt.