Sprengmeisterschulung

Lunte zu riechen ist für mich überhaupt kein Problem, daher bin ich prädestiniert für diese Ausbildung – glaubte ich zumindest. Den Unterschied zwischen TNT und Dynamit erkennt jeder am unterschiedlich lauten Knall, also konnte kaum mehr zu lernen sein.

Wie gefährlich es tatsächlich werden sollte, hätte ich nie vermutet.

Deckung heißt die Devise – in Deckung gehen, um eine Sprengung unbeschadet zu überstehen. Diese Grundregel war mir bereits geläufig, obwohl mich Bayern schon wieder überrascht hat. Einen Steinbruch habe ich erwartet, in dem tonnenweise Geröll umherfliegen würde. Dass hier harmlose Grasflächen gesprengt werden und die Gefahr darin besteht, nass zu werden, wunderte mich einmal mehr.

Gelangweilt wandte ich mich ab, ohne auf einer Dynamitstange kauen zu dürfen. Dennoch würde ich es nie wagen, brennende Feuerwerkskörper zu apportieren, so wie dies einer meiner Vorgängerinnen im Club 53 gelang. Bella vom Kirschenberg, eine Deutsch-Drahthaar-Hündin, war laut Züchter unvermittelbar und saß schon ein Jahr bei ihm im Zwinger, bevor sie im Club einzog: nicht schussfest. Von wegen! Diese tapfere Jagdhündin war durch nichts zu erschrecken, vor allem aber liebte sie Silvester. Mit ihr hätte ich mich bestimmt gut verstanden.

Glücksbringer

Schreckliches Getöse riss mich kurz nach dem Frühstück aus meinem wohlverdienten Morgenschlaf. Das Geräusch kam unverkennbar aus der Residenzküche, wo sich eine zutiefst erschütterte Spülhilfe über einen Scherbenhaufen beugte.

Mit Kennerblick prüfte ich den Sachverhalt und bereitete sie schonend auf das Ergebnis vor: irreparabel. Wirklichen Trost schöpfte sie aus meinem Hinweis, dass Scherben Glück bringen. Postwendend war ich der Glückliche, denn meine moralische Unterstützung brachte mir sofort ein Stück Lammlunge ein.

Heimlich beobachtete ich sie bei ihrer weiteren Arbeit, warf einen Blick in den Schrank und zählte schnell die Teller. Da standen noch fünf – das bedeutet 5x Lammlunge, wenn sie sich weiterhin so ungeschickt anstellt. Ich warte!

Wenigstens das Geschirrtuch hat den Absturz überlebt.

Wachposten

Seit ich meine Gassigängerin überzeugen konnte, immer eine Tasche voller Leckerbissen zu unseren Ausflügen mitzunehmen, habe ich einen Grund mehr, meine liebe Yvi zu besuchen. Jedes Mal, wenn wir bei ihr vorbeigehen, wird sie gerufen, bekommt ein Häppchen und schmust mit mir. Leider unter Aufsicht, aber das ist immer noch besser als lange Enthaltsamkeit.

Gestern Abend half kein Rufen. Yvi war im Garten unabkömmlich.

Die Ärmste hatte ziemlichen Stress mit einem Ochsenschwanz. Gerne hätte sie in aller Ruhe und Gemütlichkeit daran genagt, wären da nicht so viele Interessenten gewesen, die ebenfalls Appetit darauf hatten. In diesem Zwiespalt von Aufpassen oder Essen kam ich gerade recht.

Nach einem kurzen Lagebericht (kreisender roter Milan, lauernde Rabenvögel und freche Elstern) übernahm ich die Bewachung. Endlich konnte sich Yvi ganz entspannt dem Genuss ihres Ochsenschwanzmenüs hingeben.

Überwachungsschutz

Die Satelliten von Google, NSA und CIA verfolgen alle meine Schritte und wissen immer wo ich bin. Amazon kennt meine Vorliebe für getrocknete Geflügelstreifen. Bin ich zum gläsernen Hund geworden? Bin ich daran womöglich selbst schuld?

Als echter Haushund der Gattung Canis lupus familiaris bin ich mit einem angeborenen GPS-System ausgestattet. Bevor ich nach Bayern kam brauchte ich weder Mobiltelefon noch Fitness-Tracker. Aber wo Licht ist, gibt es bekanntlich auch Schatten! Mir sind die Nachteile der elektronischen Bequemlichkeit längst bewusst geworden.

Dabei habe ich viel zu verbergen, sozusagen haufenweise. Es gibt Momente in meinem Leben, in denen ich gänzlich unbeobachtet sein möchte. Der Natur sei Dank, stellte sich der Überwachungsschutz automatisch ein: die bayrischen Bäume sind endlich wieder grün. Das dichte Laubdach lässt keine unerwünschten Blicke aus dem Orbit mehr zu, und ich kann sogar ungestraft auf Mund- und Nasenschutz verzichten, so lange mich niemand entdeckt.

Mein Lieblingshäufchenplatz im roten Kreis, geschützt vor unerwünschter Überwachung aus dem All.

Männergeschichten

Wenn mich einer versteht, dann ist es Nero! Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, einen guten Freund zu haben, dem man alles erzählen kann. Große Bewunderung zollte er mir, als ich ihm von den beiden Rhipicephalus sanguineus erzählte, die sich bei mir eingeschlichen hatten. Als er dann hörte, dass es sich um Zecken handelte, wurde er um so aufmerksamer.

In allen Einzelheiten beschrieb ich den operativen Eingriff, ließ keine Sekunde des gestrigen Dramas aus. Zwei OP-Schwestern, vier suchende Hände und eine um so aufmerksamere Yvi wuselten um mich herum.
Nero gegenüber verschwieg ich allerdings, dass die beiden Biester längst tot waren. Das wunderbare Halsband, das mir Yvi geschenkt hat, sorgte dafür! Für meine Tapferkeit wurde ich von Yvi mit einem Schweineohr belohnt, das ich beinahe den ganzen langen Weg nach Hause alleine getragen habe.

Aufmerksam lauschte Nero jedem meiner Worte.

Der kleine Nero muss noch viel lernen, deshalb erklärte ich ihm, wie ich mich in meiner Residenz unentbehrlich mache was den morgendlichen Wecker betrifft. Pünktlich wie ein Uhrwerk beginne ich sieben vor sieben mit der Morgentoilette, putze mich deutlich hörbar und starte anschließend voller Energie meine Morgengymnastik mit schnellen Sprints durch die Flure. Damit animiere ich jeden Zweibeiner, mit mir die Welt zu erkunden, sogar sonntags, wenn andere noch lange schlafen.

Beschwerdeweg

Es ist immer das selbe Drama und ich bin es ehrlich gesagt ein für allemal leid. Meinen Unmut bringe ich nun an höchster Stelle vor – schriftlich! Tag für Tag habe ich mir größte Mühe gegeben, meine Wünsche klar und meines Erachtens nach unmissverständlich darzulegen. Vergeblich!

Über die Farbe der Wolldecke will ich kein weiteres Wort verlieren. Die bekommt den gleichen Stellenwert wie Schlafzimmertapete und spielt bei Nacht im Schlaf ebenfalls keine Rolle.

Doch gerade darum geht es mir: um den bestmöglichen Schlaf.

Jedes Mal, wenn ich mich zur Ruhe begeben will, stehe ich vor dem gleichen Problem. Mein sorgfältig niedergetrampeltes Steppengras, das an relevanten Stellen bereits optimalen Liegekomfort bot, fiel der Ordnungsliebe des Zimmermädchens zum Opfer.

Nach eingehender Prüfung der einzig möglichen Vorgehensweisen (nie mehr aufzustehen schied leider aus) wählte ich den Weg der Beschwerde und bin gespannt, ob Bettenmachen vielleicht von einer weiteren Zwischenmahlzeit abgelöst wird. Damit wäre der Roomservice hinreichend ausgelastet!

Optimal gefaltet – so macht schlafen Spaß!

Nilgansragout

Essen auf Rädern ist schon lange nichts Neues mehr, Lieferservice gibt es überall, aber in Bayern ist auch das ein bisschen anders als ich es bisher gewohnt war. Hier schwimmt das Essen in mundgerechten Portionen direkt nach dem erfrischenden Aperitif auf mich zu. Zwei Kilo Nilgans, die richtige Menge für eine deftige Vorspeise, lassen mir alleine beim Gedanken daran das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Lautlos abwarten, in Deckung verharren und blitzschnell zuschnappen, wenn die Gans endlich in meine Richtung schwimmt, darauf konzentriere ich mich jetzt. Strömungsverlauf passt, ich kann sie schon schmecken! Nun liegt es nur noch an der Gans. Sollte sie trotz all meiner sehnlichen Wünsche abgetrieben werden, ist es auch nicht schlimm. Angeblich ist dieses Federvieh recht zäh, und das brettharte Brustfleisch gleicht im Rohzustand einem Samuarai-Brustpanzer.

Zu Hause wartet luftgetrocknete Lammlunge auf mich, absolut stressfrei. Dafür muss ich nur einen sehnsüchtigen Blick in die Küche werfen .

Leise Wehmut

Fridas Blick von ihrem Balkon auf den gegenüberliegenden Berg.

Für meine liebe Freundin Frida, die unermüdliche Arzthelferin, wird die Sonne bald zum letzten Mal hinter der gegenüberliegenden Koppe untergehen. Zutiefst erschüttert habe ich auf dem Rückweg von meinem Nachmittagsspaziergang erfahren, dass ihre schlechten Blutwerte auf eine Vergiftung hindeuten könnten. Niemand kann ihr helfen, niemand weiß wie das passiert sein könnte.

Wir haben uns immer gut verstanden und sie fehlt mir jetzt schon.

Sieglinde S.

Es ließ mir keine Ruhe, ich musste sie einfach suchen. Beinahe jeden Stein drehte ich um, obwohl sie sich nicht darunter verstecken könnte. Vielleicht hätte ich sogar ihre Spur erschnüffelt, wenn ich eher dran gewesen wäre.

Es ist mehr als 12 Stunden her, dass ich sie von Weitem bewundern durfte, und meine Ausbildung zum Mantrailer (es war ein Crashkurs zum Erschnüffeln der Gassigänger mit den besten Leckerchen) eignet sich nur bedingt für eine solche Suche. Wenn ich mir ganz viel Mühe gebe, erhasche ich möglicherweise morgen früh einen zweiten Blick auf dieses beeindruckende Geschöpf.

Sieglinde Schnecke möchte ich wirklich gerne wiedersehen. Diese graziöse Weinbergschnecke mit dem größten Schneckenhaus, das mir je zwischen die Pfoten kam.

Wenn schon keine Schnecke unter dem Stein sitzt, dann wenigsten ein Stückchen Lammlunge obendrauf …

Großwildjagd

Auf, auf zum fröhlichen Jagen! Bayern überrascht mich in jeder Hinsicht, denn hier entsteht wahrlich keine Langeweile.

Aufbruch zur Jagd: wer bläst das Horn?

Meine unübertroffene Spürnase führte mich zu den exotischsten Tieren, denen es so geht wie mir und die ebenfalls im Saaletal eine zweite Heimat gefunden haben. Ausnahmsweise durfte meine Gassigängerin auf jedes einzelne schießen, aber nur mit der Kamera.

Die beiden Elchen hatte ich schon vor geraumer Zeit durch Knurren und Bellen in ihre Schranken verwiesen. Dem trojanische Pferd traue ich nicht, bestimmt zu recht, und der Drache ist mir ganz und gar nicht geheuer. Nur mit dem Nilpferd konnte ich auf Anhieb Freundschaft schließen; wenigstens ein Tier das mit mir auf Augenhöhe ist.

Geburtstagsplanung

Wann genau ich Geburtstag habe, daran kann ich mich absolut nicht mehr erinnern. Fragen kann ich auch niemanden, was mich fast ein bisschen traurig macht – aber wo ein Problem ist, gibt es bekanntlich auch Lösungen. In meinem Fall sind es tatsächlich gleich mehrere!

Einmal feiern wir natürlich an dem Tag, an dem mein neues Leben hier im Club 53, meiner Seniorenresidenz, begann. Darüber hinaus bieten sich selbstverständlich sämtliche Geburtstage aller Mitarbeiter, Dienstboten und der Führungsriege an. Da stelle ich mich jeweils in den Mittelpunkt!

Mit der Köchin habe ich bereits besprochen, wie die perfekte Menügestaltung an jeder einzelnen Feier aussehen kann. Deshalb nahm sie auf meinen Wunsch hin das beste aller Kochbücher zur Hand, das Ulrich Klever 1975 herausgebracht hat: »Dein Hund, dein Freund. Ratgeber für die Hundehaltung heute.«

Bestimmt wollte sie mich nur necken, als sie anfing vorzulesen von Hundesülze Hesselteich, Luzerner Hundeeintopf, Klevers Leberspätzle und Weishamer Hunde-Schmarrn. Mir lief alleine beim Gedanken an drei Kilo Schweineohren, oder Kalb- und Rindfleisch von Kopf und Beinen das Wasser im Mund zusammen. Ulrich Klever, der Vater aller Fernsehköche, wusste wirklich was einem Hund schmeckt!

Besonders hellhörig wurde ich, als sie das Rezept für die Hunde-Festtorte rezitierte, das von Seite 71, wo sogar schon ein Lesezeichen steckte: Dreiteilige Biskuittorte … Sahne … Schokolade. Nur auf die letzten beiden Sätzen hätte ich verzichten können, angeblich steht da »unser Hund bekommt nur jeweils ein Stück, im übrigen schmeckt diese Torte auch uns.«

Ich protestiere! Die Hunde-Festtorte sollte mir ganz alleine gehören!

Glück gehabt, den Weishamer Hunde-Schmarrn mit Haferflocken und Ei gibt es heute als Mittagessen!

Relativitätstheorie

Ich sollte meine Pfoten von der Tastatur lassen und mich lieber auf die Jagd nach Nachbars Katze machen, wenn ich schon kein Date mit einer meiner Favoritinnen habe. Aber nein, statt dessen vertiefe ich mich in wissenschaftliche Nachrichten darüber, dass in Bayern die Zeit schneller verrinnt als in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern.

Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich bei der Wahl meiner Seniorenresidenz vorsichtiger gewesen! Schuld ist Albert Einstein, weil nach seiner Relativitätstheorie die Zeit umso schneller vergeht, je weiter man sich vom Erdmittelpunkt entfernt. Bayern liegt nun mal höher als nördliche Bundesländer, deshalb ticken die Uhren hier etwas schneller.

Das bedeutet zwar, dass ich meine Mahlzeiten immer ein bisschen eher bekomme, aber im Vergleich zur Küste handelt es sich jedes Jahr um einige Mikrosekunden, die mich vorzeitig altern lassen. Daran kann Anti Aging auch nichts ändern – da hilft nur Flucht.

Auf dem nächsten Schiff werde ich anheuern, im Gegenzug für zwei kostenlose Passagen meine Dienste als Relingbewacher anbieten und gemeinsam mit meiner Animateurin der ewigen Jugend entgegen schwimmen.

Am liebsten wäre mir ein Frachter, der Hundekuchen geladen hat. Ich bewache jeden einzelnen!

Playboy Bunny

Meine Spürnase bringt mich zu den unglaublichsten Stellen. Selten erschließt sich meine Begeisterung einem zweibeinigen Begleiter, zumal Duftspuren unsichtbar sind. An Ostern ist es jedoch besonders hilfreich, einen Spürhund wie mich an der Seite zu haben, denn Überraschungen können überall versteckt sein!

Die Parallelstraßenkinder hatten für liebevoll gebastelte Geschenke am Straßenrand gesorgt. Natürlich habe ich meine Begleiterin zu dieser Stelle geführt, damit sie sich ein Andenken an dieses denkwürdige Osterfest aussuchen und mitnehmen kann.

Für mich kam ein unerwartetes Mail und meine Freude war um so größer, weil der Absender meine Fernbeziehungsliebste Frieda war. Sie ist der reizendste Osterhase, den ich je gesehen habe! Dabei weiß das zarte Wesen gar nicht, in welche Gefahr sie sich begibt: sobald jemand vom Playboy dieses süße Bunny entdeckt, wird sie womöglich als Model engagiert. Das muss ich unbedingt verhindern!

Osterwurstknochen

Liebe Freundinnen muss man(n) bei Laune halten, deshalb hatte ich für Yvi eine ganz besondere Idee als Osterüberraschung. Dazu brauchte es nur ein handliches Stück Damwildgeweih, so wie es in jedem gut sortierten Residenzhaushalt vorrätig ist.

Vom Hausmeister ließ ich rundherum Löcher bohren, und die Köchin durfte exakt nach meiner Anleitung feine Leberwurst einfüllen.

Mit ihrer feinen Nase hat Yvi sofort gerochen, was ich ihr schenken will – aber dafür musste sie es erst noch finden! Ich habe genau aufgepasst, dass sie Platz behielt, während der Knochen für sie versteckt wurde.

Auf Kommando ging es los, im Sprint über den Rasen, quer durchs Blumenbeet und hinein ins Gebüsch. Absoluter Weltrekord im Osternestfinden!

Begeistert widmete sich Yvi ihrem Osterwurstknochen, während ich mit noch größerem Genuss eine deftige Portion Maulfleisch als Osterbraten vorgesetzt bekam.

Morgen ist schon wieder Ostern! Übermorgen auch?

Supertalent Buddy

Während ich dem Gras stundenlang beim Wachsen zugesehen habe, reifte in mir die beste Idee seit langem: ich bewerbe mich bei RTL als Supertalent! Vor mir wurden schon vier andere Hunde als Sieger gekürt, es wird Zeit für Nummer 5.

In all den Stunden, die ich in Meditation verbrachte, habe ich bereits ein überzeugendes Konzept entworfen: Ich kandidiere als Verwandlungskünstler und zeige die Metamorphose vom Hund zum bayerischen Hauslöwen und dann – jetzt kommt der Clou – die Verwandlung zum Bären.

Mir schwebt dabei schon eine Einladung nach Berlin vor, eine eigens noch zu entwerfende Plakette, die mich als ersten und einzigen Kanzleramtsbären auszeichnet und nicht zu vergessen die vielen Huldigungen meiner Freundinnen und Fans.

Ich übe täglich und trete den Beweis an, dass meine bärige Erscheinung jede Jury begeistern wird!

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