Vermessen

Nicht dass ich von meiner eigenen Bedeutsamkeit durchdrungen wäre, nein, so vermessen bin ich nun doch nicht. Ich wurde vermessen, also richtig ausgemessen.

Meine Schulterhöhe beträgt 65 Zentimeter, aber interessant wird es erst bei meiner Länge. Die beträgt immerhin 140 Zentimeter im gestreckten Sprint und natürlich morgens bei meiner letzten Entspannungsübung, kurz bevor ich aufstehe.

Manchmal ist die Entspannung auch so tief, dass ich wieder in einen leichten Schlummer hinüber gleite. Da bin ich absolut flexibel.

Sprinter 4×4

Überlegenheit in anspruchsvollem Gelände – so wirbt ein namhafter Konzern für etwas, worüber ich nur lächeln kann. Deren Sprinter wird gelobt als perfekter Begleiter für abenteuerlustige Individualisten, unterwegs in Naturlandschaften. Wenn ich genau darüber nachdenke, machen die doch tatsächlich Werbung für mich. Perfekte Traktion, Sicherheit und Souveränität sind mir angeboren. Werbung brauche ich allerdings keine mehr, denn ich bin unverkäuflicher als die Kronjuwelen im Tower. Falls es die schon nicht mehr geben sollte, formuliere ich um in „unverkäuflicher als der Mond“.

Meine Vorzüge im Sprint und 4×4, also vollem Einsatz meiner 4 Pfoten, stelle ich so dann und wann heraus, muss aber überzeugt sein, dass meine Gassigängerin ausreichend Entenstreifen im Gepäck hat. Für nichts und wieder nichts strenge ich mich nicht an!

Hygienekonzept

Wieso muss man ausdrücklich auf Selbstverständliches hinweisen? Händewaschen scheint tatsächlich nicht so hoch im Kurs zu stehen, wie ich mir habe sagen lassen. Besonders in öffentlichen Toiletten sei oft zu beobachten, dass manche Besucher einen Bogen um die Waschbecken machen, andere wiederum schnell daran vorbeilaufen würden. Ob sich dies nun tatsächlich ändert, nur weil seit geraumer Zeit überall Plakate hängen? Ich will es gar nicht wissen.

Mein eingebautes Hygienekonzept erlaubt mir, immer und überall auf saubere Pfoten zu achten. Und darauf lege ich größten Wert!

Tür zu!

Viele meiner Artgenossen beherrschen die eine oder andere Art, um Türen zu öffnen. Sehr zum Leidwesen ihrer zweibeinigen Mitbewohner! Hauptsächlich wird bemängelt, dass es dann zieht und kalt wird (schließlich ist nicht immer Sommer) und sich irgend jemand bequemen muss aufzustehen und die Tür hinter ihnen zuzumachen.

Nur nicht bei mir, denn ich bin die löbliche Ausnahme. Ich bin sehr wohl in der Lage, eine Türe hinter mir zuzumachen und habe damit für große Aufregung gesorgt.

„Wo ist mein Hund?“, hörte ich von Weitem und vernahm Schritte, die sich zur Kontrolle in Richtung Residenzeingang entfernten. Kurz darauf kamen die Schritte wieder näher, verharrten vor dem Büro. Dort war ich auch nicht und die Küche war ebenfalls leer. Die Schritte wurden schneller, um nicht zu sagen hektischer, vorbei am Badezimmer, zurück Richtung Küche – nein ich war nirgends zu finden! Der Aufruhr hat mich ernsthaft in meiner Nachmittagsruhe gestört. Dabei hatte ich doch die Schlafzimmertüre extra von innen zugemacht.

Die Wiedersehensfreude war überwältigend. Herzliche Umarmungen, als ob wir monatelang getrennt gewesen wären, unzählige Streicheleinheiten und einen Spaziergang ans Entenparadies gab es für mich zur Belohnung noch dazu.

Doorman

Als Pförtner erfülle ich ganz besondere repräsentative Funktionen, obwohl ich – als wichtigste Aufgabe – bereits im Eingangsbereich abschrecken soll. Wenn es bloß nicht so langweilig wäre, immer nur die gleichen Verdächtigen zu begrüßen, die hier an meiner Seniorenresidenz, dem Club 53, vorbeikommen. Yvi sehe ich einmal am Tag, Umira vielleicht einmal pro Woche, gelegentlich zeigt mir Lucy ihre kalte Schulter und Luna will sowieso nicht als Hund wahrgenommen werden.

Dann doch lieber Personenschutz und Revierüberwachung mit regelmäßiger Begehung. Das ist ganz nach meinem Geschmack, und, apropos Geschmack, Proviant gehört natürlich auch dazu. Ausnahmsweise verrate ich nicht, was ich in meiner Brotdose mit zur Arbeit nehme. Nur so viel: es hat etwas mit Geflügel zu tun.

Samstagsdienst

Wenn ich nicht auf alles aufpasse, dann wird das nichts. Nehmen wir beispielsweise das Krümelmonster: auf Schritt und Tritt muss ich ihm folgen, damit es sich bequemt mal hier und da seinen Rüssel auszustrecken. Dabei tut es nur so, als ob es wunder wie fleißig wäre. Doch lautes Getöse lässt keinen Rückschluss auf den Arbeitseifer zu.

Vorbildlich dagegen ist mein eigener – lautloser – Fleiß, den ich ganz spontan überall dort einsetze, wo Entenstreifen lauern. Ich erlege alle, garantiert rückstandslos!

Gangster vom Galgenfeld

Zusammen mit der schwarzen Kessy und dem gefleckten Bobby bildeten wir den harten Kern der Gangster vom Galgenfeld. Dabei waren wir gar keine echten Kriminellen, denn dieser wundervoll gefährliche Banden-Name leitet sich von der Adresse des Tierheims ab. Wir gehörten zu den Freigängern, die das Tierheim nachts bewacht haben.

Kessy war beschlagnahmt worden – eine sehr glückliche Fügung für sie. Das Tierheim blieb ihr Zuhause bis zuletzt, da sich niemand fand, der ihr liebenswertes Wesen erkannte und sie adoptieren wollte. Bobby konnte seine Zuneigung deutlich zeigen, genauso aber auch seine Ablehnung, wenn er jemanden nicht sympathisch fand. Aber zwischen uns herrschte immer Harmonie, denn wir mochten uns und liebten unsere Gassigängerinnen von ganzem Herzen.

Ich bin der Einzige (vorne links im Bild) von unserer Clique, der den Absprung geschafft hat in ein neues Leben, aus dem ich regelmäßig hier berichte.

Bärenfang

Endlich Action! Seit Bruno Braunbär erschossen wurde, glaubte ich, dass Bayern für Bären tabu geworden wäre. Um so mehr freute ich mich, als es hieß „wir gehen zu den Bären“. Hätte ich geahnt, welch große Enttäuschung mich erwartet, wäre ich meinem Steppengras im schattigen Residenzbüro treu geblieben.

Beeren haben wahrlich nichts aufregendes an sich, der Tag war definitiv gelaufen. An meinen Ohren konnte es nicht gelegen haben, wohl eher an der Fremdsprache. Dieses fränkische Bayrisch kann einem Neubürger tatsächlich den einen oder anderen „Bären aufbinden“.

Wenn sie pink gewesen wären, dann hätten sie wenigstens zu meiner chic lackierten Kralle gepasst.

Taxi-Notruf

Während ich meinen nachmittäglichen Verdauungsspaziergang absolvierte, stand mein Freund Aslan, der Security-Kangal, am Supermarkt und wurde nicht abgeholt. Der Ärmste wäre ja zwei Ortschaften weiter nach Hause gelaufen, wenn da nicht die vielen schweren Einkäufe gewesen wären. Kein Problem, ich habe ihm sofort Hilfe geschickt. Dann hat er mit seiner gigantischen Größe so gerade eben in mein Taxi gepasst, was ein Glück.

Nur das mit dem Trinkgeld, das muss er noch üben. Vor allem ist ihm die Währung nicht geläufig, sonst hätte er sicher reichlich Entenstreifen abgeliefert.

2 – 2 – 2

Wie die Zeit vergeht! Nun residiere ich tatsächlich schon 222 Tage im Club 53, diesem „etwas anderen“ Seniorenheim. Es hätte schlimmer sein können, oder anders formuliert: nicht schlecht für bajuwarische Verhältnisse.

Die ärztliche Versorgung ist bestens, die Verpflegung ist ganz ordentlich, Durst muss ich auch nicht leiden. Im Winter habe ich es warm, im Sommer leidlich kühl – aber das Animationsprogramm, das ist absolut vom feinsten, dafür würde ich sogar auf 1-2 Entenstreifen verzichten!

Die Tage gestalten sich erlebnisreich, ohne mein Schlafbedürfnis einzuschränken, und die Nächte verbringe ich störungsfrei und kann mich ganz meinen Träumen hingeben.

Resümee: es war eine gute Entscheidung, mich darauf einzulassen.

Jagdrevier

Es gibt keine Schonzeit und schon gar nicht dort, wo ich auf die Pirsch gehe! Meiner guten Nase entgeht nichts, deshalb spüre ich jeden Wildwechsel auf. Am liebsten folge ich jedoch dem Beutetier, dessen Bauchtasche zweifelsfrei nach Entenstreifen riecht.

Dieses Revier ist ein absoluter Geheimtipp! Hier begegnet mir niemand, mit dem ich teilen müsste – obwohl, wer weiß was dessen Assistentin als Picknick dabei hat. Vielleicht wäre dies auch eine willkommene Abwechslung, ohne dass ich selbst etwas abgeben müsste.

Waldstraßenbau

Federführend mit Planung und Aufsicht vertraut, musste ich heute schon in aller Herrgottsfrühe zur Stelle sein, als unsere neu angelegte Kaiser-Nero-Allee abgezogen wurde. Schweres Gerät mit Räumschild hatte die Forstverwaltung geschickt, und der Mitarbeiter verdient volles Lob für seine gute Arbeit.

Unsere Wünsche gingen fast alle in Erfüllung. Jetzt fehlen nur noch die Mautstellen, an denen pro Durchreise Entenstreifen zu entrichten sind. Da es aber auch Berufspendler gibt, also Hunde, die als Fitnesstrainer arbeiten und ihre Zweibeiner täglich durch den Wald scheuchen, wollen wir einen gestaffelten Tarif mit Monats- und Jahreskarte ausarbeiten. In diesem Fall sollen die Vierbeiner selbstverständlich kostenlos passieren dürfen.

Erdbeerwahrheit

Ein so unvergleichlich vollmundiges Aroma, das alle Sinne anspricht und Sommer verkündet, das bieten nur die köstlichen Walderdbeeren. Der Pflanze gelingt dies jedoch nicht ohne Hilfe. Und jetzt sind wir bei der »Bayrischen Verordnung für vierbeinige Waldspaziergänger« angelangt, die uns alle in die Pflicht nimmt.

Wir müssen gießen und düngen was uns Hang aufwärts und Böschung abwärts begegnet. Nichts tun wir lieber als das. Wir freuen uns immer, wenn wir helfen können und wünschen guten Appetit!

Pudelwohl

Ich schwöre, mir ging es nur um das Pudelwohl, also um Lottas Wohl, auch wenn ich sichtlich von ihrem Besuch profitieren durfte. Es war mir ein Vergnügen, ihr mein Jagdrevier zu zeigen und ich bin sicher, dass es ihr ebenso gefallen hat.

Von einer Gefährtin, mit der ich tagein, tagaus durch Wiesen und Wälder streifen kann, habe ich schon immer geträumt. Dieser Traum wurde nun für kurze Zeit wahr. Lotta wird mich hoffentlich wieder einmal besuchen, und bis dahin klebe ich unser Erinnerungsfoto in mein Poesiealbum.

Fanpost

Meine Wege sind mit Fanpost regelrecht gepflastert, deshalb lese ich die Markierungen so gerne. Meistens handelt es sich um die Bewunderung durch andere Rüden, oft um Schwärmereien benachbarter Damen, manchmal sogar mehr. In einer sehr ausführlichen Botschaft musste ich nun lesen, dass mein pinkfarbener Krallenschuh keine Zustimmung fand.

Die Modefarbe »Flame Scarlet« wäre zwar absolut im Trend, aber sie würde mir nicht stehen. Ehrlich gesagt bin ich nicht sicher, dass Yvi die Wahrheit sagt. Schließlich versucht Mira seit einiger Zeit mit mir anzubändeln. Deshalb könnte es sein, dass Yvi etwas gegen meine neue Attraktivität hat, mit der ich auf andere weibliche Wesen so betörend wirke.

Zum Glück gibt es kein Briefgeheimnis für Vierbeiner. Mir würde etwas fehlen!

Gar nicht auszudenken was passiert, wenn Yvi von Frieda erfährt. Am besten spare ich nun täglich einige Stückchen Entenstreifen und lege einen Vorrat an. Denn es braucht vermutlich ein großes Geschenk, um die Wogen wieder zu glätten. Mir stehen wahrlich schwierige Zeiten bevor!

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