Entrüstung ist noch harmlos formuliert, Empörung trifft es besser: ich wäre ein Pantoffeldieb, noch dazu ein ganz hinterlistiger, denn die beiden corpus delicti seien spurlos verschwunden. Wenn es wenigstens Bergsteigerstiefel gewesen wären, die mir im hügeligen Bayern zugute kämen – aber Pantoffeln? Ich wüsste gar nicht, was ich damit anfangen sollte!
Die Baritonstimme deklamierte und referierte langatmig über Ordnungsliebe, genaue Erinnerung und wiederholte den Verdacht gegen mich. Ein Vorwurf, dem ich Interesse heuchelnd lauschte. Kommentarlos verließ die Residenzchefin den Frühstückssaal, um wenige Sekunden ebenso kommentarlos ein Paar unbeschadeter Pantoffeln zu präsentieren.
Nur mit mir wechselte sie einen verschwörerischen Blick, denn sie wusste, dass ich nicht ganz unschuldig war – wenn auch unbeabsichtigt. Da ich nun mal der Größte bin, brauche ich sehr viel Platz mich auszustrecken und bei der Gelegenheit habe ich wohl die Hausschuhe unter dem Schuhschrank an die hinterste Ecke der Wand geschoben.

Mir stellt sich jetzt nur noch die Frage: bin ich ein Pantoffelheld?